Posts für Suchanfrage Titus werden nach Relevanz sortiert angezeigt. Nach Datum sortieren Alle Posts anzeigen
Posts für Suchanfrage Titus werden nach Relevanz sortiert angezeigt. Nach Datum sortieren Alle Posts anzeigen
Sonntag, 21. Oktober 2018
Die Flavier: Titus
Titus Flavius Vespasianus, der Sohn Kaiser Vespasians, wurde am 30. Dezember 39 geboren. Die Familie lebte in relativ einfachen Verhältnissen. Als Vespasian unter Claudius Karriere machte, wurde Titus zusammen mit Britannicus, dem Sohn des Kaisers, erzogen. Die Quellen beschreiben ihn als vielseitig talentiert und liebenswürdig. Bei Hofe war ihm eine vorzügliche Erziehung und Ausbildung sicher. Vermutlich hat auch Caenis, die Gönnerin und Geliebte Vespasians, darauf Einfluss genommen.
Sonntag, 28. Oktober 2018
Die Flavier: Domitian
Die antiken Quellen, deren Verfasser der Oberschicht angehörten, verurteilen Domitian als einen Tyrannen vom gleichen Schlag wie Caligula und Nero. Aber auch sie gaben zu, dass der dritte flavische Kaiser das Reich sorgfältig verwaltete, gewissenhaft Recht sprach und beim Heer beliebt war. Selten arbeiteten die Beamten so ehrlich und uneigennützig wie unter Domitian. Moderne Historiker betrachten seine Regierung differenziert, sind skeptisch gegenüber den Tyrannen-Klischees, die nachträglich über den Kaiser verbreitet wurden. Aber gerät man unweigerlich ins Psychologisieren, wenn man versucht, seine Persönlichkeit zu erfassen.
Sonntag, 14. Oktober 2018
Die Flavier: Vespasian
"Die Flavier" von Hermann Bengtson ist eine der wenigen umfassenden Darstellungen jener Dynastie und trotz der widersprüchlichen Persönlichkeit des Verfassers empfehlenswert - im Unterschied zu Auszügen aus dem Werk Suetons, die zwar als Quelle ihren Wert haben, aber kritisch betrachtet werden sollten. Bereits im Vorwort schrieb Bengtson: "Traian steht auf den Schultern seiner Vorgänger, in manchen Einzelheiten hat er an die Flavier wieder angeknüpft".
Sonntag, 10. Februar 2019
Marcus Valerius Martialis
Marcus Valerius Martialis, geboren um 40 n. Chr. in Bilbilis (Spanien), war einer der erfolgreichsten Dichter im antiken Rom. Als junger Mann schloss er sich vornehmen Landsmännern, Seneca und dessen Neffen Lucanus, an. Möglicherweise verdankte er ihnen den Aufstieg in den Ritterstand. Aber es dauerte nicht lange, und seine Gönner wurden vom Kaiser Nero in den Tod getrieben. Der literarisch talentierte Martial musste sich andere Patrone suchen.
Sonntag, 5. Mai 2019
Prätorianerpräfekten Kaiser Trajans
Der Prätorianerpräfekt zählte zum engsten Führungskreis des römischen Reiches. Normalerweise amtierten zwei Präfekten, die im Regelfall Ritter waren. Ausnahme war der spätere Kaiser Titus, der als Senator praefectus praetorio seines Vaters Vespasian wurde. Dies war Ausdruck enger Verbundenheit des Kaisers mit seinem älteren Sohn und diente der Stärkung der flavischen Dynastie, die aus einem Bürgerkrieg heraus die Herrschaft übernommen hatte. Auch wuchs Titus an der Seite des Kaisers schon in seine künftige Aufgabe hinein.
Samstag, 20. Januar 2024
Er hatte mehrere Vorbilder
Das Forum Traiani war nach seiner Fertigstellung der prachtvollste öffentliche Platz im Rom der Antike. Karl Strobel kommt in seinem sehr lesenswerten Buch „Kaiser Trajan“ zu dem Schluss, dass sich Trajan zu dem Zeitpunkt, als seine Macht gefestigt war – und das war spätestens nach den siegreichen Dakerkriegen der Fall – in der Gestaltung seines Forums, seiner Siegessäule und auch allgemein an Caesar als Vorbild orientierte, während sich Hadrian „im Gegensatz dazu“ als Nachfolger des Augustus sah. Für diesen Bezug auf Augustus spricht eine Anmerkung in der Hadrian-Biografie der Historia Augusta.
Sonntag, 1. März 2020
Der Triumph
Nach beiden Dakerkriegen feierte Kaiser Trajan einen Triumph. Der Triumphzug war weit mehr als eine Feier, bei der sich der Feldherr zujubeln ließ und seine Beute präsentierte. Es war ein uralter, an etruskische Traditionen anknüpfender politischer und heiliger Akt - und natürlich auch ein Volksfest.
Im wunderschön und farbig bebilderten Jugendbuch "Die römische Arme" von Peter Conolly ist der Triumphzug des Titus über die Juden auf einer Doppelseite dargestellt. Ich kann dieses Buch auch interessierten Erwachsenen ans Herz legen.
Sonntag, 15. April 2018
Der römische Name
Der Text vom vergangenen Wochenende erinnerte mich daran, dass ich schon längst auf römische Namen näher eingehen wollte. Lucius Julius Ursus Servianus war von Lucius Julius Ursus adoptiert worden: Man sieht sogleich den Zusammenhang und es handelt sich hierbei um ein klassisches Beispiel, wie sich der Name eines Römers durch Adoption veränderte.
In der der Kaiserzeit trug jeder römische Bürger drei Namen: praenomen/Vorname (Gaius), nomen gentile/Name der Sippe bzw. des Geschlechts (Julius) und cognomen/Familien- bzw. Individualname (Caesar). Es gab nur wenige gebräuchliche römische Vornamen, so Gaius, Marcus, Lucius, Tiberius, Gnaeus. Einige Vornamen entsprachen Ordnungszahlen wie Quintus (der Fünfte), Sextus (der Sechste) - die Söhne wurden einfach nummeriert. Manche Vornamen waren geradezu typisch für ein Geschlecht und wurden von Generation zu Generation weiter vererbt. Kam jedoch ein Familienmitglied auf die schiefe Bahn und wurde zum Staatsfeind, wurde dessen Vorname nicht mehr benutzt. Der Individualname leitete sich oft von einer körperlichen Eigentümlichkeit ab: Crassus - dick , Longus - groß.
Frauen trugen in der Kaiserzeit nomen gentile mit weiblicher Endung und einen angehängten Individualnamen, der sich oft von dem der Mutter oder des Vaters ableitete: Ulpia Marciana, die Schwester Trajans, war vermutlich Tochter einer Marcia. Salonia Matidia, die Tochter der Marciana, hieß nach ihrem Vater Salonius Matidius.
Sklaven erhielten bei ihrer Freilassung praenomen und nomen gentile ihres Herrn und fügten ihren eigenen, fremdländischen Namen als cognomen hinzu: Marcus Ulpius Phaedimus, der Mundschenk Kaiser Trajans, war dessen Freigelassener.
Viele Ehen blieben kinderlos, und deshalb war die Adoption eine gängige Methode, um Beziehungen zu knüpfen und Vermögen und Prestige zu vererben. Besonders in der Oberschicht wurden oft schon erwachsene Männer adoptiert, die praenomen, nomen gentile und cognomen des Adoptierenden übernahmen und ihren eigenen cognomen mit dem Zusatz -an hinzufügten. Servianus war vermutlich vor seiner Adoption durch Lucius Julius Ursus ein Servius.
Marcus Ulpius Trajanus, der spätere Kaiser, trug seinen Namen mindestens in zweiter Generation: Er hieß exakt so wie sein Vater. Tatsächlich könnte aber einer seiner Ahnen adoptiert worden sein. Im archäologischen Museum von Sevilla befindet sich der Rest einer Inschrift für einen Marcus Trahius, der möglicherweise einer der Vorfahren des Imperators war. Als Kaiser nannte sich Trajan Imperator Caesar Nerva Trajanus Augustus, nahm also cognomen seines Adoptivvaters Nerva wie auch das eigene in die Titulatur auf.
Auch andere Angehörige der Oberschicht hatten zu dieser Zeit bereits zahlreiche Namen, die durch familiäre Beziehungen und Adoption zusammengekommen waren. Beispiele sind Gnaeus Pinarius Aemilius Cicatricula Pompejus Longinus, Senator und Feldherr unter Trajan, sowie Quintus Roscius Coelius Murena Silius Decianus Vibullius Pius Iulius Eurycles Herculanus Pompeius Falco, Senator und Offizier unter Trajan und Hadrian. Für Historiker sind all die Namen interessant und lassen Schlüsse über Herkunft und Verwandtschaftsbeziehungen jener Personen zu.
Wie wurde der Römer aber nun angeredet? Vermutlich mit dem cognomen: Plinius der Jüngere, mit vollständigem Namen Gaius Plinius Caecilius Secundus, wurde mit "Secundus" angesprochen. Unter Freunden und innerhalb der Familie wurden wahrscheinlich auch Vornamen verwendet. Einer der wenigen Römer, der unter seinem praenomen in die Geschichte einging, war Kaiser Titus. Dessen Vorname funktionierte als Unterscheidungsmerkmal zu seinem Vater, wenn man jenen auf sein cognomen reduzierte. Vespasian trug die gleichen drei Namen wie sein erstgeborener Sohn: Titus Flavius Vespasianus.
Literatur:
Georg Ürögdi: "Reise in das Alte Rom", Prisma-Verlag Leipzig, 1966
Sonntag, 1. April 2018
Publius Acilius Attianus
Im Sommer des Jahres 117 verließ Kaiser Trajan Antiochia, seine Residenz während des Partherkrieges. Begleitet wurde er von seiner Gattin Plotina, seiner Nichte Matidia und Acilius Attianus, einem der beiden Prätorianerpräfekten. Das gesamte, an der Partherfront stationierte Heer hatte der Imperator an Hadrian übergeben.
Denkbar ist, dass Trajan Hadrian mit der siegreichen Beendigung des Krieges beauftragte. Er erwartete, dass sein Ziehsohn sein Werk vollendete, so wie einst Titus den Jüdischen Krieg, während Vespasian nach Rom zurückkehrte.
Aber es kam anders: Trajan sollte Rom nicht mehr erreichen. Anfang August 117 starb er in Selinus in Kilikien (bei Gazipasa in der heutigen Türkei). Bei seinem Tod war neben den beiden Augustae der Gardepräfekt Acilius Attianus zugegen. Wir wissen sehr wenig über diesen Mann. Er war ein Landsmann von Trajan und Hadrian, stammte wahrscheinlich aus Italica in der Provinz Baetica (im heutigen Andalusien) und war Ritter. Italica ist nur wenige Kilometer von Hispalis, dem heutigen Sevilla, entfernt. Einige Historiker meinen, dass Hispalis eher ein Ort war, in dem Handwerker und Fischer lebten, während in Italica die vornehmeren Leute wohnten. Aber erst Hadrian erhob Italica in den Rang einer Colonia, und die Gebäude aus jener Zeit, unter anderem das Amphitheater, können heute besichtigt werden, während Überreste des älteren Ortsteils unter dem heutigen Santiponce verborgen sind. Wer eine Karriere anstrebte, musste die Provinz verlassen und in Rom Ämter übernehmen.
Vor allem Trajan strebte eine politische und militärische Karriere an. Als Prätor übernahm er die Vormundschaft über den damals zehnjährigen Hadrian, dessen Vater verstorben war - zusammen mit Acilius (nicht Caelius) Attianus. Letzterer hat sich vielleicht in den Zeiten um den jungen Mann gekümmert, als Trajan wegen seiner militärischen Kommandos abwesend war. Aber auch Hadrians Schwester Domitia Paulina war Mündel der beiden Männer. Sie hieß ebenso wie ihre und Hadrians Mutter, die aus Gades, dem heutigen Cadíz, stammte. Paulina wurde mit Trajans Freund Servianus verheiratet.
War es Zufall, dass Attianus während der Zeit, als die Nachfolge drängte, Gardepräfekt war und sich in der Nähe des noch amtierenden Kaisers aufhielt? Es wird allgemein vermutet, dass er daran beteiligt war, Hadrian die Nachfolge zu sichern. Denn was um den Tod Trajans herum geschah, weiß niemand genau. Cassius Dio, der im dritten Jahrhundert lebte, behauptete, Hadrian sei von Trajan nicht adoptiert worden. Daraus könnte man den Schluss ziehen, dass Attianus und die beiden kaiserlichen Damen die Adoption nur vorgetäuscht haben. Das Schreiben an den Senat, das von der Adoption Hadrians berichtete, sei von Plotina unterzeichnet worden, obwohl sie so etwas nie zuvor getan hatte.
Tatsächlich weiß niemand, ob Trajan die Adoption Hadrians noch selbst vollziehen konnte, ob er Plotina und Attianus damit beauftragte, alles Nötige zu veranlassen, oder ob er gar einen anderen Nachfolger wünschte. Es war vielleicht die größte Schwäche Trajans, in diesem Punkt nicht rechtzeitig für Klarheit gesorgt zu haben.
Attianus, Plotina und Matidia überführten die Urne mit den Überresten des verstorbenen Herrschers nach Rom. Die Hadrian-Biografie der Historia Augusta berichtet, dass der neue Kaiser seinen Widersacher Lusius Quietus entmachten ließ. Wenig später kam es zur Hinrichtung der vier Konsulare Cornelius Palma, Publilius Celsus, Avidius Nigrinus und Lusius Quietus. Jene Männer standen im Verdacht, eine Verschwörung gegen den Kaiser geplant zu haben, und Attianus ließ sie beseitigen. Nach der Historia Augusta soll Attianus auch dazu geraten haben, die Verschwörer Crassus Frugi und Laberius Maximus zu töten, die unter Trajan verbannt worden waren, was jedoch unterblieb. Die Todesurteile gegen Senatoren hingen Hadrian lebenslang an und kosteten ihn beinahe die Vergöttlichung und sein Ansehen als guter Herrscher.
Es ist möglich, dass Attianus etwas radikal darin war, seinem ehemaligen Mündel die Macht zu ebnen und zu sichern. Als Gardepräfekt erfüllte er seine Pflicht, beiden Herrschern zu dienen und sie zu schützen. Darüber hinaus sind keine Details über ihn bekannt. In meinem Roman wirkt er vermutlich etwas unsympathisch. Dass er vor seinem Amt als Prätorianerpräfekt Tribun der Gardereiter war, habe ich erfunden. Eine solche Abfolge in der Hierarchie war üblich, aber es gab auch andere Karriereschritte. Seine Vorliebe für Frauen ganz unterschiedlichen Typs ist ein Versuch von mir, eine menschlich-liebenswürdige Seite an ihm zu zeigen, die jedoch ebenfalls erfunden ist.
Marcus Ulpius Phaedimus, der Mundschenk Trajans, starb kurz nach dem Ableben seines Herrn, was die Gerüchte um die vorgetäuschte Adoption zusätzlich anheizte. War da ein Zeuge beseitigt worden? Wir werden es nicht erfahren. Trajan und Phaedimus starben, Attianus wurde nach der Hinrichtung der vier Konsulare kaltgestellt.
Literatur:
Historia Augusta: "Hadrianus", Artemis Verlag Zürich, 1976, ISBN 3 7608 3568 6
Cassius Dio, Epitome of Book 68
Sonntag, 31. März 2019
Kaiser Trajan und die Provinz Asia
Die römische Provinz Asia erstreckte sich im Westen der heutigen Türkei und entsprach in etwa dem Königreich Pergamon, das 133 v. Chr. ans römische Reich fiel. Asia war eine reiche Provinz mit mehreren blühenden Städten, deren Ruinen heute noch von ihrem Glanz und Wohlstand in der Antike künden: die Provinzhauptstadt Ephesos, weiterhin Pergamon, Smyrna, Milet, Antiochia von Pisidia. Die Bevölkerung der Städte bestand überwiegend aus Griechen. Jene Griechenstädte waren halbautonom. Die Verwaltungsstruktur Roms bildete den Überbau, aber Privilegien der Städte und Traditionen wurden so weit wie möglich gewahrt. Das Imperium stützte sich in hohem Maße auf die provinziale Oberschicht und integrierte sie, so dass Angehörige der lokalen Elite bis in die Führungsschicht des Imperiums aufsteigen konnten.
Samstag, 16. Mai 2020
Antike Katastrophen, Umgang damit und Bewertung
Hätte sich jemand in der Antike den Menschen entgegengestellt, die angesichts der Katastrophe aus Pompeji und Herculaneum flohen, und ihnen zugerufen, dass die Krise auch eine große Chance sei, hätten sie ihm mindestens eine runtergehauen, und zu Recht. Aber ein modernes Virus lässt die Menschenfischer des Internets zur Hochform auflaufen. Ich muss mir selber immer wieder klar machen, dass diese Leute Kunden akquirieren. Das relativiert einige Geschmacklosigkeiten.
Samstag, 19. Mai 2018
Römische Thermen
Kürzlich verbrachte ich einige Stunden in einer Therme im Elbsandsteingebirge. Ich brauchte Abstand, auch vom Romanprojekt und verschiedenen Persönlichkeiten vergangener Zeiten. Und während ich mich im warmen Wasser ausstreckte und die Seele baumeln lassen wollte, kam mir die Frage in den Sinn: Wer hat es erfunden? Und schon war ich wieder mitten im Thema.
Die Badekultur der alten Römer ist fast schon sprichwörtlich. Die ersten Mietbäder entstanden in Rom Ende des zweiten und im ersten Jahrhundert vor Christus. Jene Bäder wurden von Unternehmern betrieben und der Eintritt war so preiswert, dass sich das Baden zum alltäglichen Vergnügen aller Schichten der Bevölkerung entwickelte. Mitunter konnte man sogar kostenlos baden.
Große Thermen, die unseren heutigen Spaß- und Wellnessbädern nicht nur entsprachen, sondern diese an Pracht und Ausstattung sogar übertrafen, entstanden in der Kaiserzeit. Die ersten nachweislich kaiserlichen Thermen ließ Trajan erbauen. Höchstwahrscheinlich stammten die Entwürfe von Apollodorus, dem Chefarchitekten des Imperators.
Ein Feuer hatte Teile des "Goldenen Hauses" des Kaisers Nero auf dem Esquilin zerstört. Auf den Erdgeschossräumen des ehemaligen Palastes wurden die Thermen Trajans gebaut. Römische Thermen bestanden aus Kaltwasserbad, einem Bad mit lauwarmen Wasser und einem Schwitzbad. Zusätzlich gab es Umkleideräume, Ruheräume, Sportplätze, Speiseräume, Getränkeausschank und dienstbares Personal vom Sklaven, der gegen Bezahlung auf die Kleidung aufpasste bis hin zum Masseur und Friseur. Man konnte gut mehrere Stunden in den Thermen verbringen. Auch reiche, vermögende Römer gingen in die öffentlichen Bäder, um sich sehen zu lassen und Bekannte zu treffen. Sogar die Kaiser badeten gelegentlich in der Öffentlichkeit, und auch Sklaven suchten die Thermen auf. Man kann sich die Thermen als einen ausgedehnten Komplex aus überdachten und nicht überdachten Bereichen vorstellen, in deren Zentren sich meist Kuppeln befanden. Fenster sorgten für Helligkeit, und die Wände der Räumlichkeiten waren mit Marmor verkleidet. Wände und Fußböden wurden beheizt. Das Wasser wurde von Aquädukten in die Stadt gebracht. Die Thermae Traiani wurden von zwei Aquädukten versorgt. Es gab große Wasserspeicher unweit der Thermen. Nero hatte mit seinem Luxusanwesen inmitten der Stadt Ärger erregt, und Trajan gab einen Teil des Geländes an die Öffentlichkeit zurück.
Neben Trajan ließen auch Agrippa, Titus, Caracalla, Diokletian und Konstantin Thermen bauen. Die Ruinen der Caracalla-Thermen in Rom haben mich stärker beeindruckt als das Kolosseum. Man kann die Pracht und Schönheit des ursprünglichen Komplexes nur noch ahnen, aber allein die Überreste sind gewaltig und faszinierend. Mein Geheimtipp ist die Terme Taurine bei Civitavecchia: sehr sehenswert und gut erhalten. Der Ort (römisch Centumcellae) steht in Zusammenhang mit Kaiser Trajan. Er besaß dort ein Landgut und ließ einen Hafen errichten. Plinius der Jüngere erwähnt beides in seiner Briefsammlung (VI, 31).
Literatur:
Peter Conolly "Die antike Stadt", Könemann Verlagsgesellschaft, Köln 1998, ISBN 3-8290-1104-0
Samstag, 12. Juni 2021
Claudius - Jahre im Hintergrund
Er hieß mit vollständigem Namen Tiberius Claudius Nero Germanicus und wurde am 1. August des Jahres 10 v. Chr. In Lugdunum (Lyon) geboren. Sein Vater war Drusus, der ältere Bruder des Tiberius und Sohn der Livia Drusilla, seine Mutter war Antonia, Tochter des Marcus Antonius und der Octavia, Schwester des Kaisers Augustus. Claudius war der jüngere Bruder des beliebten Germanicus. Während Germanicus geradezu prädestiniert war für öffentliche Auftritte, traf das auf Claudius nicht zu. Er war leicht körperbehindert, ohne dass die Ursache bekannt ist.
Sonntag, 4. Februar 2018
Dion Chrysostomos von Prusa
Wenn ich mich mit Geschichte beschäftige, frage ich mich manchmal, wie aussagekräftig ein Fragment für die Gesamtheit eines Themas ist. Würde ein Teil meines Hausrats in ferner Zukunft analysiert, würden Wissenschaftler zufällig meinen Kosmetikkoffer mit den Schminkutensilien finden, dann könnte sie der Fund zu dem Schluss verleiten, dass ich viel Zeit und Mühe für das Make-up aufwende. Die Wahrheit ist jedoch: Das Köfferchen ist gefüllt mit guten Vorsätzen, mehr auf mein Äußeres zu achten. Tatsächlich verwende ich nur einen Bruchteil dieser Produkte - und dies sehr selten.
Die philosophisch interessierte Kaiserin Plotina hätte ihre Freude an einer Debatte über das Thema gehabt. Aber auch Dion von Prusa hätte dazu sicher Einiges beizusteuern. Dion oder auch Dio, wie man ihn in der römischen Welt nannte, stammte aus Prusa in Bithynien - jener Provinz, in der Plinius der Jüngere kaiserlicher Sonderbeauftragter war. Dion war angesehener Bürger der Stadt, hatte dort ein Haus und Grundbesitz. Als Redner reiste er viel und weilte schon unter den flavischen Kaisern in Rom. Unter Domitian geriet er in den Verdacht, Freund eines Mitverschwörers zu sein, und wurde sowohl aus Rom und Italien als auch aus seiner Heimat Bithynien verbannt.
Während seiner Verbannung reiste Dion als kynischer Wanderprediger durch verschiedene Länder. Man darf die Kyniker der Antike nicht mit den Zynikern im heutigen Sinne gleichsetzen. Jene antiken Philosophen wählten die Askese nach dem Motto: Wer nichts hat, kann nichts verlieren. Die Kyniker sprachen sich für einen Rückzug aus der Öffentlichkeit aus. Sie strebten nach Glück und persönlicher Freiheit, die nur erreichbar war, wenn sie sich aus der Gesellschaft zurückzogen. Derartige Bestrebungen finden sich auch bei anderen philosophischen Schulen wie den Stoikern und Epikureern, aber auch im Christentum. Die Kyniker fühlten sich an hohe ethische Grundsätze gebunden und neigten zu Übertreibungen und Provokationen, um Wirkung zu erzielen. Kyniker sollen das römische Volk gegen die jüdische Prinzessin Berenike aufgebracht haben, was zur Folge hatte, dass der künftige Kaiser Titus sich von ihr trennte und sie Rom verlassen musste. Der berühmteste Kyniker war Diogenes von Sinope, der in freiwilliger Armut lebte. Diogenes wurde wegen seiner "Bissigkeit", aber auch seiner Lebensweise, die der eines Straßenköters glich, als "Hund" bezeichnet. Diogenes nahm diese Bezeichnung an, und fortan gehörte sie zu den Kynikern.
Die Kyniker verwickelten die Menschen in Streitgespräche, Dialoge. Jene Diskussionen waren sicher faszinierend, aber ich kann mir vorstellen, dass die Leute nicht immer dafür aufgeschlossen waren. Von Dion sind aber auch Reden, Monologe, überliefert. Er betrachtete seine Verbannung - ganz Philosoph - als Prüfung seiner Persönlichkeit. Er musste Gelegenheitsarbeiten übernehmen, um durchzukommen, und manchmal bettelte er auch. Seine Gesundheit litt unter diesem Leben. Es ist möglich, dass er zeitweise inkognito reiste und Reden gegen den Kaiser hielt, der ihn verbannt hatte. Nach Domitians Ermordung hob Kaiser Nerva die Verbannung auf. Dion wurde sein Freund und nahm als Zeichen der Verbundenheit mit dem Herrscher den Namen Cocceianus an.
Nerva regierte nur zwei Jahre lang; sein Nachfolger wurde Trajan. Dion kam wahrscheinlich im Jahr 100 nach Rom. Er führte eine Gesandtschaft an, die Vergünstigungen für seine Heimatstadt Prusa erbitten wollte. Er hatte Erfolg und blieb länger in der Stadt als geplant, denn zwischen ihm und Kaiser Trajan entwickelte sich eine persönliche Freundschaft. Mehr noch: Dion war zeitweise philosophischer Berater des Kaisers. Er hielt vor ihm und dem Hof Reden über das Königtum, in dem er ein Bild des idealen Herrschers entwarf. Seiner eigenen Aussage nach hatte er persönlichen Umgang mit Trajan und kannte dessen Charakter. Auch nahm sich der Kaiser Zeit für Gespräche. Es ist möglich, dass er von seiner Gattin Plotina, vielleicht auch von seinem Freund Sura dazu angeregt wurde, aber ich möchte dem Herrscher nicht die Eigeninitiative in dieser Angelegenheit absprechen. Denn: Wir wissen nichts Genaues. Während eines Ausflugs soll der Kaiser zu Dion gesagt haben: "Ich verstehe nicht, was du sagst, doch ich liebe dich wie mich selbst." (Zitat bei Sylvia Fein: "Die Beziehungen der Kaiser Trajan und Hadrian zu den litterati", Teubner Verlag, Stuttgart 1994, S. 233). So reizvoll es ist, darüber nachzudenken, wie Trajan diese Worte wohl gemeint hat, wenn die Aussage überhaupt authentisch ist: Wir werden es nicht genau erfahren. Sir Ronald Symes Meinung ("Tacitus", Volume I, Oxford University Press, 1958, S. 40), Trajan hätte in seiner Rolle als einfacher, volksnaher Herrscher übertrieben, da Dion keine komplizierten Gedanken ausbreitete, die ihn überforderten, sondern Reden über die ideale Monarchie hielt, überzeugt mich nicht, denn letztlich weiß niemand, welche Themen bei jenem Ausflug besprochen wurden.
Die römische Oberschicht der damaligen Zeit orientierte sich an philosophischen Strömungen. Somit wirkt das Verhältnis zwischen Dion und Trajan nicht wie ein Einzelfall. Möglicherweise war der Kaiser mit Angehörigen der stoischen Senatsopposition verwandt; Seneca war zumindest ein Landsmann, vielleicht persönlicher Bekannter seines Vaters, eventuell auch ein Verwandter.
Im Jahr 101 reiste Dion mit Trajan an die Donau. Der Kaiser führte Krieg gegen das Dakerreich. Der Philosoph hat eine Schrift "Getika" verfasst, die sich mit den Dakern befasste und die nicht überliefert ist. Er reiste vermutlich von der Donau aus zurück nach Bithynien. Es wird angenommen, dass er zwischen 115 und 120 starb.
Literatur:
Hans von Arnim: Leben und Werke des Dio von Prusa, Weidmannsche Buchhandlung, Berlin, 1898
Samstag, 23. Mai 2020
Flottenstützpunkt Misenum
Wie differenziert die antike Schifffahrt war, gerät manchmal ein bisschen in den Hintergrund – zu Unrecht. Die Römer haben Schiffbau und Seefahrt nicht erfunden, sondern vieles bei Seefahrernationen wie den Karthagern und Griechen abgeschaut. Und obwohl die Marine nicht annähernd die Bedeutung wie das Landheer erlangte, war sie doch wichtig und wurde wie die gesamte römische Ordnung mit System und Pragmatismus organisiert. Das Thema begeistert mich immer wieder aufs Neue und ich habe hier schon im Beitrag „Zur See“ darüber gebloggt. Jedem Interessierten kann ich das Museum für Antike Schifffahrt in Mainz empfehlen, natürlich auch die unten erwähnte Literatur.
Montag, 4. März 2019
Der römische Vorname
Ich muss mich selbst rügen, weil ich die Vornamen von Persönlichkeiten aus dem alten Rom manchmal ausgeschrieben und manchmal abgekürzt habe. Letzteres ist auf römischen Inschriften, aber auch in Fachbüchern üblich. Der Vorname eines Römers war nicht der wichtigste Bestandteil seines Namens und weder originell noch individuell. Es gab nur wenige gebräuchliche Vornamen.
Sonntag, 15. März 2020
Vigintivirat und Quästur
Mit "cursus honorum" ist die senatorische Ämterlaufbahn im alten Rom gemeint. Auch die Ritter durchliefen Ämter, aber es waren eher militärische Laufbahnen. Die Laufbahn eines Senators konnte von Senatorensöhnen angestrebt werden, aber auch von Rittern, die in den Senat aufsteigen wollten.
Sonntag, 8. Juli 2018
Romanschauplatz Lanuvium
Lanuvium, heute Lanuvio, liegt 34 Kilometer südöstlich von Rom in Latium. Der Ort ist auf einem Ausläufer der Albanerberge erbaut. Man hat von dort aus einen schönen Ausblick bis zum Meer. Ein wahrhaft idyllischer Ort und bereits in der Antike bedeutsam durch mehrere Tempel, vor allem den der Göttin Juno.
Ich war leider noch nicht dort, kann mir den Ort aber mit Hilfe zahlreicher Fotos relativ gut vorstellen. Die Familie des Laberius Maximus, einer meiner Hauptfiguren, stammte von dort.
Sonntag, 19. April 2020
Antoninus Pius
Titus Aurelius Fulvus Boionius Arrius Antoninus wurde am 19. September 86 bei Lanuvium (heute Lanuvio) in Latium geboren. Doch erst 138, im Alter von 52 Jahren, wurde er Kaiser. Auch M‘. Laberius Maximus stammte aus Lanuvium. Es ist anzunehmen, dass man einander kannte. Die Familie des Vaters und Großvaters des Antoninus, die Aurelii, stammten aus Nemausus in Gallien, dem heutigen Nîmes. Da liegen freundschaftliche oder gar verwandtschaftliche Beziehungen zur Kaiserin Plotina nahe, die ebenfalls aus Nîmes stammte. Doch Genaueres lässt sich nicht sagen, da nicht einmal der Name ihres Vaters vollständig bekannt ist.
Sonntag, 30. Juli 2017
Konkurrenten und Verschwörer (1)
Die Verleihung der Kaiserwürde an Nerva war eine Übergangslösung. Die Prätorianergarde und Truppen an der Donau akzeptierten ihn nicht. Eine Gruppe im Senat favorisierte Trajan als Nachfolger Nervas. Er war damals Statthalter in Obergermanien. Seine Freunde und Förderer standen in den Nachbarprovinzen oder unterstützten ihn in Rom. Es gab einen bedeutenden Konkurrenten um die Herrschaft: Marcus Cornelius Nigrinus Curiatius Maternus, der erfolgreichste und mehrfach ausgezeichnete Feldherr Domitians aus den Dakerkriegen. Im Jahr 97 drohte ein neuer Bürgerkrieg. Plinius spielt darauf an, ohne Maternus namentlich zu nennen. Als er den Delator Publius Certus im Senat angriff, warnte man ihn, sich nicht zu sehr zu exponieren, da er die Zukunft nicht kenne. Erwähnt wurde ein Freund des Certus, "der im Osten ein sehr bedeutendes, hochberühmtes Heer führte und über den viele zweideutige Gerüchte im Umlauf waren." (Plinius der Jüngere, Briefe, IX, 13 (11)). Jener Mann war Maternus, zu dieser Zeit Statthalter der Provinz Syria. Es wird vermutet, dass er die Prätorianer zur Revolte gegen Nerva aufwiegelte. Er stammte aus der Provinz Hispania Tarraconensis, aus Liria. Seiner Laufbahn nach zu urteilen, war er wohl etwas älter als Trajan. Vespasian und Titus hatten ihn in den Senat aufgenommen. Trajan, Sohn eines Senators und Patriziers, war ihm an Sozialprestige überlegen: vermutlich war dies einer der Gründe, weshalb er und nicht Maternus sich durchsetzen konnte. Ein weiterer Grund könnte Maternus' Nähe zu Männern wie Publius Certus sein, mit denen die einflussreichste Gruppe im Senat nichts mehr zu tun haben wollte.
Mit der Adoption Trajans durch Nerva war die Nachfolge entschieden. Der künftige Kaiser berief den meuternden Präfekten Aelianus mit seinen Prätorianern zu sich nach Obergermanien und ließ ihn und seine Männer hinrichten. Curiatius Maternus wurde seines Amtes enthoben und politisch kaltgestellt. Trajan hielt sich an sein Versprechen, keinen Senator töten zu lassen (Aelianus war Ritter). Rekonstruierte Inschriften offenbaren die Verdienste des Maternus und seine hohe Stellung unter den flavischen Kaisern.
Eine weitere hochrangige Persönlichkeit jener Zeit war Manius Laberius Maximus. Im ersten Dakerkrieg Trajans Statthalter von Moesia Inferior, war er einer der erfolgreichsten Feldherrn jener Kampagne. Für seine Verdienste erhielt er seinen zweiten, den ordentlichen Konsulat des Jahres 103 als Kollege des Kaisers. Darüber hinaus wissen wir nur sehr wenig von ihm. Er stammte aus Latium und war wahrscheinlich jünger als Trajan. Seine Tochter war Gattin des Bruttius Praesens, eines Freundes Hadrians. Es ist nicht bekannt, wann Laberius Maximus verurteilt wurde. Die Hadrianbiografie der Historia Augusta erwähnt, dass er auf eine Insel verbannt war, weil er nach der Herrschaft gestrebt hatte. Der neue Kaiser verschonte ihn; andere einflussreiche Konkurrenten wurden dagegen hingerichtet.
Ein Sklave des Maximus geriet in internationale Verwicklungen. Während der Dakerkriege wurde er von Sarmaten in Moesien gefangen genommen und von König Decebalus dem Partherkönig Pacorus als Geschenk übersandt. Nach längerer Zeit im Dienste des Pacorus gelangte er nach Nicomedia. Dies berichtet Plinius in einem Brief an Trajan und schickt den Mann, der in der damaligen Welt weit herum gekommen war, nach Rom. (Plin., Briefe: X,74). Wahrscheinlich dachten der Kaiser und seine Berater schon an einen Feldzug im Orient; da waren jegliche Informationen über die Parther wichtig.
Was mag Laberius Maximus getan haben? Hat er eine Unvorsichtigkeit begangen, hatte er Mitverschwörer? Es ist auch denkbar, dass er ein Feind Hadrians war - jenes Mannes, der diskret als Nachfolger Trajans aufgebaut wurde.
Aus irgendeinem Grund, den ich selbst nicht kenne, imponiert mir Laberius Maximus. Er könnte "der Mann, der den Optimus Princeps Trajan herausforderte" gewesen sein, aber möglichweise war alles auch relativ banal, aus heutiger Sicht. Mich fasziniert das Subversive, das ich mit seiner Person in Verbindung bringe. Ich wüsste gern, auf welcher Insel er viele Jahre seines Lebens verbrachte. Da ich es nicht weiß, lasse ich meine Phantasie spielen. Namhafte Verbannte wie Ovid und Seneca haben unter ihrem Exil gelitten. In heutigen Urlaubsparadiesen lebte man damals weniger komfortabel als in Rom. Der Alltag dort war beschwerlich und sicher nicht ungefährlich. Laberius Maximus behielt sein Vermögen. Seine Familie blieb unbehelligt, und das Exil war besser als der Tod. Irgendwann starb er eines natürlichen Todes im Exil.
Literatur:
Historia Augusta, Band 1, Hadrianus: Artemis Verlag Zürich und München, 1976, ISBN 3 7608 3568 6
Karl Strobel: Kaiser Traian, Eine Episode der Weltgeschichte, darin "Die Thronfolgekrise des Jahres 97", Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2010, ISBN 978-3-7917-2172-9