Montag, 13. November 2017

Der Ritterstand

Die Prätorianerpräfekten, denen die Garde unterstand, hatten die Spitze des Ritterstandes erreicht und wurden meist als Dank für ihre Dienste in den Senatorenstand erhoben. An Macht und Ansehen übertrafen diese Männer viele Senatoren. Dies galt auch für andere ritterliche Spitzenpositionen. Es gab Ritter, die reicher als Senatoren waren.

Das Mindestvermögen für einen Ritter betrug 400.000 Sesterzen. Die Besitzunterschiede innerhalb dieses Standes waren beträchtlich, was jedoch auch auf den Senatorenstand zutraf. Es gab wesentlich mehr Ritter als Senatoren. Unter Augustus gehörten um die 20.000 Männer dem Ritterstand an. Den Angehörigen der Oberschicht waren bestimmte Sitzreihen im Theater vorbehalten. Die besten Plätze nahmen der Kaiser und die Senatoren ein, gefolgt von den Rittern. Jene trugen zwei schmale Purpurstreifen an der Toga, die Senatoren einen breiten. Allein schon an diesen äußerlichen Zeichen ihres Ranges wird deutlich, dass sich die Angehörigen des Ritterstandes in ihren Werten an denen des Senatorenstandes orientierten. Der Tradition zufolge waren sie beritten, was sie alljährlich mit einer Reiterparade in Rom feierten. Jener Festumzug entstammte den Traditionen der römischen Republik und war ursprünglich eine Musterung der Ritter, die jährlich von Censoren durchgeführt wurde. Augustus ließ diesen Brauch wieder aufleben. Ritter, die weiter von Rom entfernt bzw. in den Provinzen lebten, nahmen an der Parade nicht teil. Ab dem 35. Lebensjahr war man davon befreit.

Während die Zugehörigkeit zum Senatorenstand erblich war, trifft dies auf den Ritterstand nicht zu. Zwar wurden die Söhne von Rittern oft ebenfalls Ritter, aber die Aufnahme in diesen Stand erfolgte durch persönliche Verdienste, Eignung, Beförderung bzw. Protektion. Der Ritterstand war der Finanzadel Roms. Viele Ritter waren Steuerpächter, Händler und Bankiers, aber ihre Haupteinnahmequelle war der Grundbesitz. Ein weiterer Weg in den Ritterstand war die Offizierslaufbahn. Centurionen, vor allem die ranghöchsten unter ihnen, strebten in den zweiten Adel. Als Tribunen und Präfekten übernahmen sie hohe Kommandos beim Heer und den städtischen Kohorten sowie der Feuerwehr. Im zivilen Bereich wurden geeignete Ritter kaiserliche Beamte (Prokuratoren), oder sie fanden Beschäftigung am kaiserlichen Hof. Die Prokuratoren übernahmen Aufgaben in der Provinzverwaltung und entlasteten die Statthalter. Gegenseitige Kontrolle war Nebenerscheinung der Zusammenarbeit zwischen ritterlichen und senatorischen Beamten. Adlige unterworfener oder befreundeter Völker wurden Ritter. Ein berühmtes Beispiel ist der Cheruskerfürst Arminius. Die Eliten jener Völker wurden auf diese Weise schnell integriert und trugen die Romanisierung mit - was in den meisten Fällen funktionierte. Normalerweise war eine freie Geburt Bedingung für eine Aufnahme in den Ritterstand, aber es gab auch Ausnahmen, in denen Freigelassene befördert wurden.

Manchen Rittern ging es weniger gut, und sie waren auf die Unterstützung reicher Patrone angewiesen, so der Dichter Martial, der in seinen Epigrammen seinen Gönnern huldigt, aber auch über die Abhängigkeit von ihnen klagt. Zu den Zuwendungen der Patrone zählten Fürsprachen, Einladungen und (Geld-) Geschenke, aber auch Lebensmittelspenden. Die Klienten revanchierten sich durch diverse Gefälligkeiten und Dienstleistungen sowie ihre Gefolgschaft, die dem Patron öffentliches Ansehen verlieh. Jene Beziehungen waren enorm wichtig, da die staatliche Fürsorge begrenzt war. Patrone Martials waren neben den Kaisern Titus und Domitian die Senatoren Licinius Sura und Plinius der Jüngere. Letzterer schenkte dem Dichter das Reisegeld, als dieser in seine spanische Heimat zurückkehrte.

Unter Trajan sind drei Prätorianerpräfekten namentlich bekannt: Attius Suburanus, Claudius Livianus und Acilius Attianus. Aber auch andere Ritter hatten Spitzenpositionen inne wie Pompeius Planta, der Präfekt von Ägypten, den Trajan als seinen Freund bezeichnete. Marcius Turbo, der Freund Hadrians, war zunächst Centurio, anschließend Tribun der vigeles (Feuerwehr), der equites singulares Augusti und der Prätorianer, kommandierte im Partherkrieg die Flotte von Misenum, bewährte sich in verschiedenen militärischen Aufgaben und wurde schließlich Hadrians Prätorianerpräfekt. Neben diesen mächtigen Männern gab es aber auch Ritter, die nicht unter die führenden Beamten und Offiziere aufstiegen.

Literatur:

Geza Alföldy: Römische Sozialgeschichte, Franz Steiner Verlag Wiesbaden 1975, ISBN 978-3-515-09841-0

Marcus Junkelmann: Die Reiter Roms, Teil II, Vom Reiteradel zum Offiziersadel, Verlag Philipp von Zabern, Mainz, 1991, ISBN 3-8053-1139-7

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