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Samstag, 27. März 2021

Senecas Satire: Apokolokyntosis

Am 13. Oktober des Jahres 54, ungefähr ein Jahr nach Trajans Geburt, starb Kaiser Claudius. Vielleicht zur Zeit der Saturnalien, des karnevalsähnlichen Festes der Römer zum Jahreswechsel, veröffentlichte Seneca einen satirischen Text, Apokolokyntosis genannt. Den römischen Kaisern wurde nach ihrem Tod die Apotheosis, die Vergöttlichung, zuteil - mit Ausnahme derer, die geächtet waren. Claudius waren alle Ehren zuteil geworden, dafür hat seine Gattin Agrippina gesorgt. Schließlich sollte Neros Vater ein Gott sein! Statt mit einer Apotheosis ließ Seneca den Claudius mit einer Apokolokyntosis, wörtlich Verkürbissung, büßen.

Sonntag, 29. November 2020

Altrömisches Pizza-Brot

Ich war selbst überrascht, als ich las, dass die alten Römer bereits so etwas wie Pizza kannten. Dabei ist es ja ziemlich logisch: Getreide war in der Antike das Hauptnahrungsmittel. Es wurde als Brei, aber auch als Brot oder Fladen gegessen. Und es liegt nahe, ein flaches Brot oder einen Fladen nicht nur zu würzen, sondern auch zu belegen.

Die Tomate, heute unverzichtbarer Bestandteil der mediterranen Küche, stammte aus Amerika und war den alten Römern demzufolge nicht bekannt. Schinken und Würste wurden zwar hergestellt, waren aber für die einfache Bevölkerung nicht immer erschwinglich. Sehr populär und weit verbreitet war Käse. Hartkäse, Frischkäse, Quark wurden häufig verzehrt, gerne auch gewürzt mit viel Knoblauch, was unter den vornehmen Aristokraten verpönt war – aber heutzutage sind wir ja keine Snobs und Knoblauch ist nicht nur lecker, sondern auch gesund.

Mit Ausnahme von Mais und Buchweizen waren den alten Römern alle Getreidesorten bekannt, die wir auch heute verwenden. Das beliebteste und am häufigsten verwendete Getreide war Weizen. Die Römer produzierten schon Auszugsmehl, das allerdings weniger fein war, als wir es heute kennen. Sie wussten, dass Vollkornmehl nahrhafter und gesünder ist als Auszugsmehl. Bei der einfachen Bevölkerung, aber auch beim Militär wurde Vollkornmehl zum Brotbacken und zur Zubereitung von Brei verwendet.

Für mein flaches Pizza-Brot nahm ich

250 g Weizenmehl

1 Teelöffel Olivenöl

½ Teelöffel Salz

75 ml warmes Wasser

1 Päckchen Trockenhefe

Hefe und Sauerteig waren schon in der Antike bekannt und wurden zum Backen verwendet. Ich nehme immer Trockenhefe; sie erfüllt die gleiche Funktion wie frische Hefe. Vor dem Backen habe ich sie eine Weile in dem warmen Wasser aufgelöst.

Alle Zutaten werden zu einem Teig verknetet, eventuell fügt man noch etwas Wasser hinzu. Den Teig lässt man gut 1 ½ Stunde an einem warmen Ort gehen.

Inzwischen kann man die Käsecreme für den Belag zubereiten. Ich nahm

400 g Frischkäse

2 Eigelb

Kräuter nach Belieben, ich habe Lauchzwiebelringe und kleingehackte Blätter von Stangensellerie verwendet, außerdem drei fein geriebene Knoblauchzehen, Salz

Nach den 1 ½ Stunden den Teig zum Fladen formen und auf einem bemehlten Blech noch eine halbe Stunde gehen lassen. Mit der Frischkäsecreme bestreichen und im Backofen (Stufe 2-3) ca. 25 Minuten backen. Gegen Ende des Backens habe ich noch ein paar Blätter Rucola obenauf gelegt. Statt eines flachen Brotes kann man auch einen Fladen backen und weniger Frischkäsecreme verwenden, dann wird das Gericht leichter. Ich habe mich jedoch daran orientiert, dass Lebensmittel in der Antike vor allem sättigen sollten.

Dieses Frischkäsebrot ist sehr lecker! Dazu passt in der Adventszeit ein Glühwein; Rezepte findet man hier und dort. Die alten Römer kannten weder Advent, noch Weihnachten, sondern freuten sich auf die Saturnalien, die ein wenig unserem Karneval ähnelten.

Samstag, 22. Dezember 2018

Spielsachen und Spiele

Vor dem Weihnachtsfest sind Spielzeuggeschäfte und Discounter voller Menschen. Ich erinnere mich noch daran, dass ich die Beutel mit Geschenken für unsere vier Kinder kaum nach Hause tragen konnte. Damals hieß es, Listen mit Wünschen abzuarbeiten. Im Zusammenhang mit den Festtagsvorbereitungen wurde mir die Frage gestellt: Wie war das eigentlich mit Spielsachen im alten Rom? Es gab Puppen, Tierfiguren, Gebrauchsgegenstände, die aber nicht wie heute in Massenproduktion hergestellt wurden, sondern in der Regel Einzelstücke waren, von geschickten Leuten selbst angefertigt. Wir kennen sie, da sie Kindern mit ins Grab gegeben wurden.

Sonntag, 16. Dezember 2018

Weißer Würzwein

Zutaten:

375 ml süßer Wein, weiß (Ich habe eine kleine Flasche "Petit Guiraud" verwendet, den es derzeit bei Aldi gibt), 1 Lorbeerblatt, 1 Zimtstange, 1 Sternanis, 1 Messerspitze Kardamom, 2 Wacholderbeeren, leicht zerdrückt, 1 Messerspitze Koriander, 1 Prise geriebene Muskatnuss , etwas Pfeffer aus der Mühle

Den Wein mit den Gewürzen erwärmen und mindestens eine Stunde lang ziehen lassen. Danach noch einmal erhitzen. Durch ein Sieb gießen und genießen.

Mein Versuch, einen Glühwein mit Gewürzen zuzubereiten, die auch im alten Rom schon verwendet wurden, ist kein archäologisches Experiment. Denn dazu hätte man auch Wein benötigt, der dem antiken Wein entsprechen würde. Die Weine der alten Römer hätten uns eher nicht geschmeckt, und mir ging es um ein wohlschmeckendes Resultat. Auf Orange und Zitrone musste ich leider verzichten, da beides damals im Mittelmeerraum noch nicht angebaut und somit auch nicht in der Küche verwendet wurde. Zimt war bekannt und wurde benutzt, im Unterschied zur Gewürznelke, die den Römern zwar als indisches Gewürz geläufig war, aber keine breite Verwendung fand. Kardamom und Koriander wurden benutzt, aber Piment, aus Südamerika stammend, kannte die Antike nicht. Pfeffer hingegen war begehrt und wurde gern benutzt. Die Muskatnuss ist ein Streitfall. Ich habe mich beim Weißwein entschieden, sie zu verwenden, aber es ist nicht erwiesen, ob die alten Römer sie schon kannten. Die eher sauren Weine der damaligen Zeit wurden mit Honig gesüßt. Oft wurde Würzwein auch kalt getrunken. Ich habe süßen Wein verwendet, um nicht mit Honig panschen zu müssen. Natürlich kann man auch einen preisgünstigeren Wein verwenden. Ich stelle Glühwein gern aus Wein her, den ich auch ohne Zusätze gern trinken würde. Der selbst hergestellte Glüh-oder Würzwein ist erfahrungsgemäß bekömmlicher als fertig gekaufter.

Mein Mann und ich haben mehrere Versuche verkostet und diese Mischung hat uns gut geschmeckt: angenehm würzig, aber nicht zu süß. Ich wünsche viel Spaß beim Ausprobieren und einen schönen dritten Advent! Die alten Römer feierten übrigens weder Advent, noch Weihnachten, sondern Saturnalien - worüber ich hier schon geschrieben habe.

Samstag, 23. Dezember 2017

Saturnalien

Saturnus war der Gott des Ackerbaus. Er entsprach dem griechischen Titanen Kronos. Die Anlehnung der römischen Mythologie an die griechische ist immer wieder faszinierend: Von seinem Sohn Jupiter entmachtet, floh er nach Latium, wo er vom doppelgesichtigen Gott Janus aufgenommen wurde. Zum Dank dafür unterwies er die Bewohner Latiums in der Kunst des Ackerbaus. Die Herrschaft des Saturnus galt als goldenes Zeitalter, in dem es noch keinen Privatbesitz und keine Klassenunterschiede gab. Die Saturnalien waren ursprünglich ein Erntedankfest.

Das Fest begann mit einem Opfer und anschließendem Gelage am Saturntempel, in dem der römische Staatsschatz aufbewahrt wurde. Gegen Ende des ersten Jahrhunderts feierten die Menschen sieben Tage lang, vom 17.-23. Dezember. Während dieser Feiertage, die nicht nur in Rom, sondern auch in den Provinzen galten, war schulfrei und die Gerichte arbeiteten nicht - Letzteres war das Charakteristikum der römischen Feiertage.

Das beliebte Fest war ausgelassen und feucht-fröhlich. Im Gedenken an das goldene Zeitalter waren während der Feiertage die Standesunterschiede aufgehoben: Die Sklaven feierten zusammen mit ihren Herren, mitunter wurden die Unterschiede sogar umgekehrt, so dass die Herren ihre Sklaven bedienten. Es herrschte Redefreiheit: Sklaven wurden für freizügige Äußerungen nicht bestraft. Die sonst verbotenen Glücksspiele waren erlaubt. Man lud sich gegenseitig zu Gastmählern ein, bei denen ausgiebig gespeist und gebechert wurde. Es war üblich, einander zu beschenken, ursprünglich mit Kerzen und Tonfiguren, aber später war die Palette umfangreicher: Lebensmittel, Geschirr, Gebrauchsgegenstände, aber auch Gewürze, Kleidung, Bücher, Kosmetika bis hin zu Luxusartikeln wurden geschenkt. Vermögende Römer zeigten sich ihren Klienten gegenüber großzügig.

Aber nicht jeder war ein Freund des ausgelassenen Feierns. Plinius der Jüngere weilte während der Saturnalien gern auf seinem Landsitz bei Ostia, den er in seiner Briefsammlung (II. Buch, 17) ausführlich beschreibt. Sein Lieblingsort war sein Gartenhaus abseits des Hauptgebäudes: "Wenn ich mich in mein Gartenhaus zurückziehe, habe ich den Eindruck, gar nicht auf meinem Landgut zu sein; und es macht mir, besonders während der Saturnalien, ein großes Vergnügen, wenn der übrige Teil des Hauses von der Ausgelassenheit dieser Tage und dem festlichen Lärm widerhallt; denn weder störe ich die Vergnügungen meiner Leute noch sie meine Studien." Die Saturnalien wurden bis zum Ende der Antike gefeiert, und der Brauch des Schenkens ging in unser Weihnachtsfest ein. In der Spätantike kam das Fest der Wintersonnenwende am 25. Dezember hinzu, gewidmet dem Sonnengott (Sol invictus). Beide Traditionen wurden im Laufe der Zeit vermischt. Bereits im ersten Jahrhundert galt Sol als Schutzgott des Kaisers, und unter Trajan und Hadrian erscheint er auch auf Münzen.

Der Bezug auf Trajan hier im Blog entspringt einer Begebenheit im Roman, an dem ich arbeite: Der spätere Kaiser kommt während der Saturnalien einer fiktiven Person nahe, und es wird ein bisschen romantisch - passend zum damaligen Fest. In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern frohe Feiertage!

Literatur:

Karl-Wilhelm Weeber: Alltag im Alten Rom, Das Leben in der Stadt, Patmos Verlag, Düsseldorf 2001, ISBN 3-491-69042-0

Lexikon der Antike, VEB Bibliographisches Institut Leipzig 1978