Sonntag, 27. Mai 2018

Der Kaiser in der Sommerfrische

Über das Privatleben Kaiser Trajans wissen wir nur wenig. Plinius erwähnt in seiner Briefsammlung einen Landsitz des Imperators bei Centumcellae, wo dieser nicht nur Mußestunden verbrachte, sondern Besprechungen und Gerichtsverhandlungen abhielt. Plinius gehörte zeitweise seinem Beraterstab an. Er erzählt auch von Erholungszeiten und abendlichen Gastmählern. Centumcellae heißt heute Civitavecchia und die kaiserliche familia sowie sonstige Besucher erreichten die Villa gewiss über die Via Aurelia, die immer noch als Straße genutzt wird.

Vor zehn Jahren waren mein Mann, unsere Tochter und ich nicht nur in Rom, sondern anschließend auch ein paar Tage in Civitavecchia. Wo genau sich die Villa Trajans befand, lässt sich heute nicht mehr feststellen. Nach Plinius war das Landhaus sehr schön und lag direkt an der Küste. Ringsum erstreckten sich grüne Felder. In der Bucht war mit dem Bau eines Hafens begonnen worden, der den Namen des Imperators tragen sollte. Der Baubeginn wird auf 107 datiert. Der zweite Dakerkrieg war beendet; der Kaiser hielt sich wieder in Rom und gelegentlich auf seinen Landgütern auf. Plinius konnte beobachten, wie ein Schiff große Steine brachte, die im Meer zu einer künstlichen Insel aufgeschichtet wurden, welche das Hafenbecken schützen sollte. Leider ist die Altstadt von Civitavecchia im zweiten Weltkrieg schwer beschädigt worden und es gibt kaum Überreste aus der Antike.

Das Gelände steigt von der Küste aus an. Man konnte auch vom Hang aus einen guten Blick auf diese Hafenbauten haben. Bei der Beschreibung des Landsitzes habe ich mich von den Schilderungen der Villen des Plinius inspirieren lassen. In den Tolfabergen hatte der Kaiser Gelegenheit zur Jagd, einer seiner überlieferten Freizeitbeschäftigungen. Ich wollte mir einen Eindruck von der Gegend verschaffen. Civitavecchia ist heute noch als Seehafen der Stadt Rom bedeutend. Von dort aus fahren Kreuzfahrtschiffe und Fähren ab. Darüber hinaus ist die Stadt für Touristen wenig attraktiv. Es gibt einen winzigen Strand, wo man aber wegen der schlechten Wasserqualität nicht baden sollte. Die Küste ist verbaut und die Promenade ist kurz. Sehenswert sind die Ruinen der Terme Taurine, die unter Hadrian ausgebaut wurde.

Als Erbauer des Hafens von Centumcellae/Civitavecchia ist der Kaiser heute noch in der Gegend präsent. Ob Eisdiele, Autowerkstatt oder Fischkutter: Der Name "Traiano" ist überall zu lesen. Während unseres Aufenthaltes dort wohnten wir - wie sollte es anders sein - im Hotel Traiano. Im vorigen Jahr las ich, dass Kaiser Trajan auch eine Villa in Arcinazzo bei Tivoli zugeschrieben wird. Eindeutig lassen sich diese Ruinen der trajanischen Zeit aber nicht zuordnen; es wird sogar vermutet, dass sie zu einem Landsitz Neros gehören. Centumcellae ist Romanschauplatz und eine Reise nach Arcinazzo spare ich mir: Schließlich ist mein Budget nicht unerschöpflich. Wahrscheinlich besaß Trajan außer dem Landsitz bei Centumcellae weitere Villen. Ob der Architekt Apollodoros neben dem Hafen auch die Villa erbaute, ist fraglich. Das Landhaus war, als der Hafen errichtet wurde, schon in Benutzung. Trajan kann es auch von seinem Vater oder anderen Angehörigen geerbt haben. Dies würde zu seiner Politik passen: er legte weniger Wert auf private Prachtbauten, sondern wollte durch seine öffentlichen Bauprogramme als Wohltäter Roms, Italiens und der Provinzen wahrgenommen werden.

Literatur:

Annette Nünnerich-Asmus. "Traian. Ein Kaiser der Superlative am Beginn einer Umbruchzeit?", darin: "Die Bautätigkeit Traians in Italien", Verlag Philipp von Zabern, Mainz 2002, ISBN 3-8053-2780-3

Plinius der Jüngere, Briefe, IV, 31, Philipp 'Reclam Jun., Stuttgart 1998, ISBN 3-15-059706-4

Samstag, 19. Mai 2018

Römische Thermen

Kürzlich verbrachte ich einige Stunden in einer Therme im Elbsandsteingebirge. Ich brauchte Abstand, auch vom Romanprojekt und verschiedenen Persönlichkeiten vergangener Zeiten. Und während ich mich im warmen Wasser ausstreckte und die Seele baumeln lassen wollte, kam mir die Frage in den Sinn: Wer hat es erfunden? Und schon war ich wieder mitten im Thema.

Die Badekultur der alten Römer ist fast schon sprichwörtlich. Die ersten Mietbäder entstanden in Rom Ende des zweiten und im ersten Jahrhundert vor Christus. Jene Bäder wurden von Unternehmern betrieben und der Eintritt war so preiswert, dass sich das Baden zum alltäglichen Vergnügen aller Schichten der Bevölkerung entwickelte. Mitunter konnte man sogar kostenlos baden.

Große Thermen, die unseren heutigen Spaß- und Wellnessbädern nicht nur entsprachen, sondern diese an Pracht und Ausstattung sogar übertrafen, entstanden in der Kaiserzeit. Die ersten nachweislich kaiserlichen Thermen ließ Trajan erbauen. Höchstwahrscheinlich stammten die Entwürfe von Apollodorus, dem Chefarchitekten des Imperators.

Ein Feuer hatte Teile des "Goldenen Hauses" des Kaisers Nero auf dem Esquilin zerstört. Auf den Erdgeschossräumen des ehemaligen Palastes wurden die Thermen Trajans gebaut. Römische Thermen bestanden aus Kaltwasserbad, einem Bad mit lauwarmen Wasser und einem Schwitzbad. Zusätzlich gab es Umkleideräume, Ruheräume, Sportplätze, Speiseräume, Getränkeausschank und dienstbares Personal vom Sklaven, der gegen Bezahlung auf die Kleidung aufpasste bis hin zum Masseur und Friseur. Man konnte gut mehrere Stunden in den Thermen verbringen. Auch reiche, vermögende Römer gingen in die öffentlichen Bäder, um sich sehen zu lassen und Bekannte zu treffen. Sogar die Kaiser badeten gelegentlich in der Öffentlichkeit, und auch Sklaven suchten die Thermen auf. Man kann sich die Thermen als einen ausgedehnten Komplex aus überdachten und nicht überdachten Bereichen vorstellen, in deren Zentren sich meist Kuppeln befanden. Fenster sorgten für Helligkeit, und die Wände der Räumlichkeiten waren mit Marmor verkleidet. Wände und Fußböden wurden beheizt. Das Wasser wurde von Aquädukten in die Stadt gebracht. Die Thermae Traiani wurden von zwei Aquädukten versorgt. Es gab große Wasserspeicher unweit der Thermen. Nero hatte mit seinem Luxusanwesen inmitten der Stadt Ärger erregt, und Trajan gab einen Teil des Geländes an die Öffentlichkeit zurück.

Neben Trajan ließen auch Agrippa, Titus, Caracalla, Diokletian und Konstantin Thermen bauen. Die Ruinen der Caracalla-Thermen in Rom haben mich stärker beeindruckt als das Kolosseum. Man kann die Pracht und Schönheit des ursprünglichen Komplexes nur noch ahnen, aber allein die Überreste sind gewaltig und faszinierend. Mein Geheimtipp ist die Terme Taurine bei Civitavecchia: sehr sehenswert und gut erhalten. Der Ort (römisch Centumcellae) steht in Zusammenhang mit Kaiser Trajan. Er besaß dort ein Landgut und ließ einen Hafen errichten. Plinius der Jüngere erwähnt beides in seiner Briefsammlung (VI, 31).

Literatur:

Peter Conolly "Die antike Stadt", Könemann Verlagsgesellschaft, Köln 1998, ISBN 3-8290-1104-0

Sonntag, 13. Mai 2018

Die Trajanssäule

Ich möchte der Säule des Trajan einen gesonderten Text widmen. Sie gehört zu den am besten erhaltenen Bauten der römischen Antike und war vermutlich der Prototyp einer Siegessäule mit umlaufendem Reliefband. Leider haben die Reliefs im Laufe der Zeit Schaden genommen. Es gibt Gipsabgüsse davon, die in besserem Zustand sind als das Original. Meine Informationsquelle sind die Kupferstiche von Pietro Santi Bartoli.

Die Trajanssäule überragte das Forum Traiani. Sie wurde auf Senatsbeschluss zu Ehren des Kaisers errichtet. Die Gesamthöhe der Säule beträgt über 35 m, was ungefähr hundert römische Fuß sind, über der sich die Statue des Kaisers erhob, die den Abschluss der Säule bildete. Vom Forum aus konnten Betrachter sie zunächst nicht sehen, weil die Basilika Ulpia und das Reiterstandbild des Kaisers, das ungefähr doppelt so groß war wie das des Marcus Aurelius auf dem Kapitol, in unmittelbarer Nähe die Sicht verdeckten. Sie besteht aus 29 Blöcken von etwa 1,5 m Höhe und einem Gewicht von 32 t. Es wird angenommen, dass eine spezielle kranähnliche Konstruktion errichtet wurde, um diese Blöcke in die Höhe zu hieven. Aber auch Zugtiere und Menschen mit ihrer Muskelkraft waren dabei im Einsatz.

Die Fugen der Blöcke passen noch heute exakt aufeinander. Im Inneren der Säule verläuft eine Wendeltreppe bis nach oben. Ob die Säule ständig als Aussichtspunkt zugänglich war, wissen wir nicht. Denkbar ist aber auch eine Öffnung zu bestimmten Anlässen.

Das Relief der Trajanssäule enthält Szenen aus den beiden Dakerkriegen des Kaisers. Die Darstellungen sind in vielfältiger Hinsicht interessant: sie geben Aufschluss über die Ausrüstung der Soldaten und Offiziere, über Truppenteile, die an den Feldzügen beteiligt waren, über Kleidung und Ausrüstung der Daker und anderer Völker, so der Sarmaten, aber auch über Schiffe, die auf der Donau zum Einsatz kamen. Dennoch handelt es sich um keine realistische Kriegsberichterstattung, sondern um ein ideologisches Programm. Der Kaiser hat einen Bericht über die Kriege verfasst, der vermutlich Caesars Kommentaren über den Gallischen Krieg ähnelte. Sie wurden sicher auch als Quelle genutzt, aber dennoch wurden die Szenen sorgfältig entsprechend ihrer Wirkung ausgewählt, sogar hinsichtlich des Platzes, von wo aus sie zu sehen waren.

Sehr viele Szenen stellen keine Kämpfe oder Schlachten dar, sondern die logistische Vorbereitung, rituelle Opfer vor dem Heer und der Provinzbevölkerung, die Begrüßung des Kaisers in den Städten Moesiens, seinen Kriegsrat oder den Empfang von Gesandtschaften. Dargestellt ist das römische Imperium als überlegene Zivilisation, die im Krieg perfekt organisiert und offensiv vorgeht. Trajan ist nicht nur beispielhafter Feldherr, sondern auch Beschützer der Provinzialen. Seine Sorge um das Reich wird immer wieder herausgehoben. Opfer leitet er selbst und zeigt darin seine Frömmigkeit. Er ist von Beratern umgeben und beobachtet Schlachten meist von einem Aussichtspunkt, was der Realität entsprach. In Schlachten sind die Römer laut Darstellung siegreich und schrecken auch vor Grausamkeiten nicht zurück. Der Kaiser ist in sechzig Szenen zu sehen, in deren Mittelpunkt er steht. Obwohl er sich äußerlich kaum von seinen Begleitern unterscheidet, erkennt man ihn an seiner Position innerhalb der jeweiligen Gruppe. Das gesamte Relief war bemalt, Rückstände von Farbe sind erhalten.

Wie aber betrachtete man die Reliefs? Antike Beobachter konnten nur Szenen der unteren Wendungen erkennen und jene auch nur ausschnittsweise. Lange Zeit wurde vermutet, dass man die Säule aus den Fenstern der umliegenden Bibliotheksgebäude oder sogar von deren Dächern aus betrachtete. Aber auch von erhöhtem Standpunkt sah man immer nur Teile des Reliefs. Vermutlich war einkalkuliert, dass der Betrachter den Stil der Darstellung erfasste und jene Szenen, die er nur noch undeutlich bis gar nicht erkennen konnte, in seiner Phantasie ergänzte. Ich habe inzwischen alle Szenen betrachtet, entweder auf Fotografien oder Kupferstichen, und sie sind mir in gewissem Grade vertraut. Als ich Abbildungen von der Mark-Aurel-Säule sah, erkannte ich sie auf ersten Blick als nicht zur Trajanssäule gehörend. Ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal ist der Kaiser selbst: Trajan war rasiert und trug eine schlichte Kurzhaarfrisur, Marcus Aurelius hatte Locken und einen langen Vollbart.

Papst Sixtus V. ließ 1587 die Statue Trajans von der Säule entfernen und durch ein Bildnis des Petrus ersetzen. Ich habe mich oft darüber geärgert, denn schließlich hat Petrus weder einen Bezug zum Forum Traiani, noch zur Siegessäule des Kaisers oder zu den einzelnen Szenen. So etwas wie Denkmalschutz gab es leider damals noch nicht. Aber der Säule hätte Schlimmeres geschehen können - sogar die völlige Zerstörung. Vielleicht hat die Petrusstatue dafür gesorgt, dass sie heute noch in Rom bewundert werden kann.

Literatur:

Annette Nünnerich-Asmus. "Traian. Ein Kaiser der Superlative am Beginn einer Umbruchzeit?", darin: "Er baute für das Volk", Verlag Philipp von Zabern, Mainz 2002, ISBN 3-8053-2780-3

Die Traiansäule, Die Geschichte des ersten und zweiten dakischen Feldzuges. Kupferstiche aus dem Jahre 1667 von Pietro Santi Bartoli - Die Erklärungen der Reliefs Neubearbeitung und Ausstattung von E. A. P. Dzur, 1941

Wikipedia

Sonntag, 6. Mai 2018

Das Trajansforum

Das bekannteste Bauwerk des Architekten Apollodoros ist das Trajansforum. Es war das letzte und größte Kaiserforum und der schönste Platz im antiken Rom. Noch in der Spätantike war Kaiser Constantius II. überwältigt vom Anblick des Forums, das wie kein anderer Bau den Glanz Roms während seiner Blütezeit repräsentierte.

Wer heute die Überreste des Forums betrachtet, kann diese Begeisterung kaum nachvollziehen. Es wurde zum Teil überbaut und antike Bauwerke dienten im Mittelalter als Steinbrüche. Als ich 2008 in Rom war, erblickte ich die Trajanssäule inmitten der - überwiegend modernen - Häuserfronten und an jenen Moment werde ich mich immer wieder erinnern. Das Forum liegt einige Meter tiefer als die heutigen Straßen. Es war, als ich dort war, nicht zugänglich und der Sockel der Säule war eingerüstet. In Rom entsteht derzeit ein archäologischer Park, der das Gelände um Kolosseum und die Foren umfasst, und ich hoffe, dass eines Tages wieder größere Bereiche betreten werden dürfen. Sehenswert sind die an das Forum angrenzenden Märkte Trajans, heute Museum. In den Märkten befanden sich auch Büros und Verwaltungsgebäude für das Forum, das aber damals durch eine Mauer von den Märkten abgetrennt war.

Mit dem Bau des Forum Traiani wurde 107 begonnen. Zuvor musste ein Ausläufer des Quirinal abgetragen werden und die Märkte, die ab ca. 100 errichtet wurden, dienten auch zur Stabilisierung des Hanges. Die Ausdehnung des Forums betrug 300 x 180 Meter, der Platz in der Mitte war 200 x 120 Meter groß. Dort befand sich das Reiterstandbild des Imperators. Auf Rekonstruktionszeichnungen wird die großzügige Gestaltung deutlich. Vielleicht spendeten Bäume angenehmen Schatten. Heller Marmor dominierte neben vergoldeten Statuen, Trophäen und Standarten. Die überdachten Wandelhallen und das Innere der Basilika Ulpia sowie der beiden Bibliotheksgebäude wirken auf Abbildungen angenehm kühl.

Auf dem Forum fand das öffentliche Leben statt. Vor allem Gerichtsverhandlungen wurden abgehalten. Verdiente Persönlichkeiten erhielten Ehrenstatuen. Kaiser Hadrian ließ auf dem Trajansforum zu Beginn seiner Herrschaft Schuldscheine verbrennen. Und natürlich war das Forum ein Ort, um zu sehen und gesehen zu werden. Es gibt verschiedene Ausführungen über die Programmatik Trajans, die sich im Forum manifestierte. War es der Form eines Feldlagers nachempfunden, oder hatte es eher zivilen Charakter? Sollte es Rom, das Imperium, verherrlichen oder vorrangig den Kaiser und seine Familie? Ich bin der Meinung, dass alle Faktoren ineinander spielten. Ob man das Forum als überladen, protzig oder würdig-pietätvoll bezeichnet, ist auch Frage des persönlichen Geschmacks. Natürlich werden öffentliche Gebäude und Plätze heute völlig anders gestaltet. Mir gefallen Rekonstruktionszeichnungen des Forums sehr gut. Es wirkt erhaben, klar strukturiert und ist längst nicht so überladen wie manches barocke Bauwerk. Als ich in einem der letzten Beiträge schrieb, ich würde mir vielleicht doch einen Zeitsprung ins alte Rom wünschen, dachte ich vor allem ans Forum Traiani, das ich gern in seinem ursprünglichen Zustand sehen würde.

Zu Beginn des Jahres 112 wurde das Forum mit der Basilika Ulpia eingeweiht. Im Jahr 113 waren die Trajanssäule und die Bibliotheksgebäude fertiggestellt und wurden der Öffentlichkeit übergeben. Dennoch wurde am Bereich hinter der Basilika noch gebaut. Erst unter Hadrian wurde das Forum vollendet, insbesondere der Tempel, in dem Trajan und Plotina nach ihrem Tode verehrt wurden. Der Sockel der Säule war von vornherein als Grabmal für den Kaiser und seine Gattin konzipiert.

Vor zehn Jahren habe ich es bedauert, dass ich das Forum Traiani nicht betreten durfte. Mein Protagonist Gaius kommt noch vor der offiziellen Einweihung des Forums in den Genuss einer privaten Führung. Mit dieser Schilderung habe ich mir einen Wunsch erfüllt.

Literatur:

Annette Nünnerich-Asmus. "Traian. Ein Kaiser der Superlative am Beginn einer Umbruchzeit?", darin: "Er baute für das Volk", Verlag Philipp von Zabern, Mainz 2002, ISBN 3-8053-2780-3

Peter Conolly "Die antike Stadt", Könemann Verlagsgesellschaft, Köln 1998, ISBN 3-8290-1104-0

Sonntag, 29. April 2018

Apollodoros, der Chefarchitekt Kaiser Trajans

Apollodoros aus Damaskus war der bedeutendste Architekt Kaiser Trajans. Er begleitete den Kaiser in die Dakerkriege und war auch Militäringenieur. Mit der Donaubrücke bei Drobeta setzte Apollodoros Maßstäbe: Sie war die erste dauerhafte Brücke über die untere Donau und in ihrer Gesamtlänge ein Rekordbauwerk. Sie ist auf dem Relief der Trajanssäule abgebildet. Wahrscheinlich ist auch Apollodoros in einer Szene unter den Begleitern des Kaisers dargestellt. Eine schöne Rekonstruktion vom Bau der Donaubrücke findet sich bei Peter Conolly in "Tiberius Claudius Maximus, ein römischer Reiter".

Eine Porträtbüste des Apollodoros befindet sich in der Glyptothek in München. Ich war positiv überrascht, sie dort zu sehen, denn ich hatte bis dahin nicht gewusst, dass ein Bildnis von ihm überliefert ist.

Apollodoros war einer der berühmtesten Architekten der römischen Kaiserzeit. Alle bedeutenden Bauprojekte der trajanischen Zeit sollen unter seiner Leitung entstanden sein: das Forum Traiani und die angrenzende Markthalle, die Thermen Trajans und seine Hafenbauten in Ostia und Civitavecchia. Damals wurden zunehmend Gewölbe gebaut. Das Baumaterial dafür war mit Ziegeln verkleideter Beton. Auch unter Hadrian war Apollodoros als Architekt tätig. An der Planung des Tempels der Venus und Roma in Rom war er beteiligt. Der Entwurf dazu stammte wahrscheinlich sogar vom Kaiser selbst, denn dieser war vielseitig begabt und beschäftigte sich auch mit Architektur. Nach Cassius Dio schickte der Herrscher den Entwurf an Apollodoros zur Begutachtung. Jener hielt sich mit Kritik nicht zurück und verärgerte Hadrian, der jedoch die Hinweise des Architekten berücksichtigte. Hadrian war leicht zu kränken und wechselnd in seinen Stimmungen. Schon unter Trajan soll Apollodoros Hadrian kritisiert haben: er verstehe nichts von Architektur und solle weiter seine Kürbisse zeichnen. Das angespannte Verhältnis zwischen Hadrian und Apollodoros führte zur Verbannung des Architekten und später zu dessen Hinrichtung. Ob Apollodoros das Pantheon entwarf, ist umstritten.

Cassius Dio ist der Einzige, der vom Zerwürfnis zwischen Hadrian und Apollodoros berichtet. Allerdings ist die Quellenlage über jene Zeit ohnehin dürftig. Trajan erscheint einmal mehr als umgänglicher Herrscher, der keine Ambitionen hatte, Fachleuten ihre Kompetenzen streitig zu machen, während Hadrian mit vielen Leuten konkurrierte und schwer einzuschätzen war. Fakt ist, dass es unter Hadrian mehrere Todesurteile gegen Senatoren gab und weitere einflussreiche Personen in Ungnade fielen. Hadrian war sicher eine faszinierende Persönlichkeit mit vielen Talenten, aber ein schwieriger Vorgesetzter.

Literatur:

Peter Conolly "Die antike Stadt", Könemann Verlagsgesellschaft, Köln, 1998, ISBN3-8290-1104-0

Peter Conolly "Tiberius Claudius Maximus, Ein römischer Reiter", Tessloff Verlag Nürnberg, 1990, ISBN 3-7886-0185-X

Cassius Dio: Epitome of Book 68

Sonntag, 22. April 2018

Kaiser Trajan und die Abrafaxe

Als Kind war ich begeisterte Leserin der Mosaik-Comics mit ihren Helden, den Digedags. Wir hatten eins der begehrten Abos. Als die Abrafaxe 1976 die Digedags ablösten, ließ mein Interesse daran nach. Nun erfuhr ich zufällig, dass die Mosaik-Hefte 459-482, erschienen 2014-2016, nicht nur vom antiken Rom handeln, sondern speziell von der Zeit Kaiser Trajans. Wollte ich mir wirklich 23 Mosaikhefte kaufen? Ich überlegte eine Weile, und meine Neugier siegte.

Abrax, Brabrax und Califax begegnen in Germanien dem Wanderzirkus "Spontifex". Spontifex hat die Idee, mit einem für jene Zeit ganz ungewöhnlichen Zirkus, in dem Artisten Kunststücke aufführen, bis nach Rom zu ziehen. Allein das schon ist amüsant, denn Kenner des antiken Roms wissen, dass damals im Zirkus andere, weitaus dramatischere Attraktionen geboten wurden. Gleichzeitig beginnen diplomatische Verwicklungen zwischen Rom und Germanien. Einer der Berater Kaiser Trajans möchte einen Krieg anzetteln, ein anderer Berater spricht sich für eine friedliche Lösung aus. Trajan lädt zwei germanische Fürstenkinder an seinen Hof nach Rom ein, eine diplomatische Geste und ein Unterpfand für den Frieden. Aber der kriegsbegeisterte Berater gibt nicht auf, sondern setzt alle Hebel in Bewegung, damit die Kinder Rom nicht erreichen. Bald werden der Zirkus Spontifex und die Abrafaxe Beschützer des Mädchens Vada und des Jungen Ule. Mehr vom Verlauf der Geschichte sei nicht verraten. Ich habe die Hefte mit Erstaunen und Vergnügen gelesen. Sie vermitteln viele historische Fakten auf unterhaltsame Weise und liefern darüber hinaus viele Detailinformationen: Über die Götter, die Kaiser, die römische Ämterlaufbahn, das Leben der Germanen … und immer wieder werden lateinische Vokabeln vorgestellt: "Latein rockt".

Mir gefällt besonders das clevere und abenteuerliche Mädchen Vada, das unbedingt nach Rom möchte, während Ule öfter Heimweh hat. Als Leser schließt man beide ins Herz. Hellauf begeistert war ich, als der Kaiser bei seinem ersten Comic-Auftritt sprach: "Ich war lange Zeit in Germania Superior stationiert." Über die Jahre habe ich schon so viele Fehler in Artikeln und Büchern entdecken müssen, dass mich so viel Stimmigkeit im Detail überrascht. Der Kaiser ist überzeugend gezeichnet worden: Die typischen Merkmale seiner Erscheinung wurden erfasst. Seine Reaktionen sind die eines besonnenen, um Menschlichkeit und Gerechtigkeit bemühten Staatsoberhauptes. Er ist aber auch wegen eines (vermeintlichen) Fleckes auf seinem Mantel besorgt, und ich mag es, dass der Humor nicht zu kurz kommt. Meine Lieblingsszene ist jene, in der Vada Brabrax und Trajan über den Zweck des Dodekaeders aufklärt. Sehr schön finde ich die Feststellung, dass das Relief der Trajanssäule auch eine Bildergeschichte, ein Comic ist.

Bei all den positiven Eindrücken bleiben nur drei kleine Kritikpunkte. Die Kaiserin Plotina ist im Mosaik klug, diplomatisch und nicht ohne Einfluss, was der Überlieferung entspricht. Aber sie sieht aus wie eine kleine Schwester der Meerhexe Ursula aus "Arielle". Das wird ihr nicht gerecht und ich wundere mich über diese Unähnlichkeit, wo doch mehrere Bildnisse von ihr erhalten sind. Und warum läuft Trajan mitten in Rom in Rüstung herum? Seine Nichte hieß Salonia Matidia, nicht Salonina. Aber Letzteres ist zu verschmerzen.

Zum Ende der Geschichte fällt mir nur ein: "Happy Optimus-Time!", auch wenn ich, bei aller Faszination, keinen Zeitsprung in jede Epoche unternehmen würde. Oder vielleicht doch?

"Die Abrafaxe erobern Rom", Mosaik Nr. 459-482, Mosaik Steinchen für Steinchen Verlag Berlin, 2014-2016

Sonntag, 15. April 2018

Der römische Name

Der Text vom vergangenen Wochenende erinnerte mich daran, dass ich schon längst auf römische Namen näher eingehen wollte. Lucius Julius Ursus Servianus war von Lucius Julius Ursus adoptiert worden: Man sieht sogleich den Zusammenhang und es handelt sich hierbei um ein klassisches Beispiel, wie sich der Name eines Römers durch Adoption veränderte.

In der der Kaiserzeit trug jeder römische Bürger drei Namen: praenomen/Vorname (Gaius), nomen gentile/Name der Sippe bzw. des Geschlechts (Julius) und cognomen/Familien- bzw. Individualname (Caesar). Es gab nur wenige gebräuchliche römische Vornamen, so Gaius, Marcus, Lucius, Tiberius, Gnaeus. Einige Vornamen entsprachen Ordnungszahlen wie Quintus (der Fünfte), Sextus (der Sechste) - die Söhne wurden einfach nummeriert. Manche Vornamen waren geradezu typisch für ein Geschlecht und wurden von Generation zu Generation weiter vererbt. Kam jedoch ein Familienmitglied auf die schiefe Bahn und wurde zum Staatsfeind, wurde dessen Vorname nicht mehr benutzt. Der Individualname leitete sich oft von einer körperlichen Eigentümlichkeit ab: Crassus - dick , Longus - groß.

Frauen trugen in der Kaiserzeit nomen gentile mit weiblicher Endung und einen angehängten Individualnamen, der sich oft von dem der Mutter oder des Vaters ableitete: Ulpia Marciana, die Schwester Trajans, war vermutlich Tochter einer Marcia. Salonia Matidia, die Tochter der Marciana, hieß nach ihrem Vater Salonius Matidius.

Sklaven erhielten bei ihrer Freilassung praenomen und nomen gentile ihres Herrn und fügten ihren eigenen, fremdländischen Namen als cognomen hinzu: Marcus Ulpius Phaedimus, der Mundschenk Kaiser Trajans, war dessen Freigelassener.

Viele Ehen blieben kinderlos, und deshalb war die Adoption eine gängige Methode, um Beziehungen zu knüpfen und Vermögen und Prestige zu vererben. Besonders in der Oberschicht wurden oft schon erwachsene Männer adoptiert, die praenomen, nomen gentile und cognomen des Adoptierenden übernahmen und ihren eigenen cognomen mit dem Zusatz -an hinzufügten. Servianus war vermutlich vor seiner Adoption durch Lucius Julius Ursus ein Servius.

Marcus Ulpius Trajanus, der spätere Kaiser, trug seinen Namen mindestens in zweiter Generation: Er hieß exakt so wie sein Vater. Tatsächlich könnte aber einer seiner Ahnen adoptiert worden sein. Im archäologischen Museum von Sevilla befindet sich der Rest einer Inschrift für einen Marcus Trahius, der möglicherweise einer der Vorfahren des Imperators war. Als Kaiser nannte sich Trajan Imperator Caesar Nerva Trajanus Augustus, nahm also cognomen seines Adoptivvaters Nerva wie auch das eigene in die Titulatur auf.

Auch andere Angehörige der Oberschicht hatten zu dieser Zeit bereits zahlreiche Namen, die durch familiäre Beziehungen und Adoption zusammengekommen waren. Beispiele sind Gnaeus Pinarius Aemilius Cicatricula Pompejus Longinus, Senator und Feldherr unter Trajan, sowie Quintus Roscius Coelius Murena Silius Decianus Vibullius Pius Iulius Eurycles Herculanus Pompeius Falco, Senator und Offizier unter Trajan und Hadrian. Für Historiker sind all die Namen interessant und lassen Schlüsse über Herkunft und Verwandtschaftsbeziehungen jener Personen zu.

Wie wurde der Römer aber nun angeredet? Vermutlich mit dem cognomen: Plinius der Jüngere, mit vollständigem Namen Gaius Plinius Caecilius Secundus, wurde mit "Secundus" angesprochen. Unter Freunden und innerhalb der Familie wurden wahrscheinlich auch Vornamen verwendet. Einer der wenigen Römer, der unter seinem praenomen in die Geschichte einging, war Kaiser Titus. Dessen Vorname funktionierte als Unterscheidungsmerkmal zu seinem Vater, wenn man jenen auf sein cognomen reduzierte. Vespasian trug die gleichen drei Namen wie sein erstgeborener Sohn: Titus Flavius Vespasianus.

Literatur:

Georg Ürögdi: "Reise in das Alte Rom", Prisma-Verlag Leipzig, 1966