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Samstag, 22. Mai 2021

Die Schreckensherrschaft Caligulas

Der Tod seiner Lieblingsschwester war ein schwerer Schlag für den jungen Kaiser. Ihm die Maßlosigkeit seiner Trauer vorzuhalten, ist aus menschlicher Sicht unbarmherzig. Seine Schwestern waren, abgesehen von seinem Onkel Claudius, die letzten engen Verwandten, die ihm geblieben waren. Allerdings musste er als Staatsoberhaupt auch in der Lage sein, eine gewisse Haltung zu bewahren, zumindest in der Öffentlichkeit. Zeigte sich der Kaiser gar zu tapfer - wie Tiberius nach dem Verlust seines Sohnes - war das den Menschen auch wieder nicht recht. Es war eine Gratwanderung, für die Caligula wohl nicht das Alter und Format hatte.

Samstag, 15. Mai 2021

Caligula - junger Kaiser und Hoffnungsträger

Wie auch bei Nero, begann auch die Regierungszeit des Caligula, der im März 37 im Alter von 24 Jahren Kaiser wurde, hoffnungsvoll. Nach seinem Einzug in Rom wurde erst einmal gefeiert, drei Monate lang. Die Garde, die ihm zur Macht verholfen hatte, die Feuerwehr und die Stadtkohorten (eine Art Polizeitruppe) erhielten ein Geldgeschenk. Es gab Geldschenkungen an das Volk von Rom - pro Framilie 300 Sesterzen. Außerdem veranlasste Caligula die testamentarischen Schenkungen seiner Urgroßmutter Livia, die Tiberius für ungültig erklärt hatte. Und auch die Schenkungen des Tiberius wurden veranlasst.

Samstag, 8. Mai 2021

Caligulas Kindheit und Jugend bis zu seinem Herrschaftsantritt

Als Gaius Caesar Germanicus, genannt Caligula, 24jährig den Trauerzug des verstorbenen Tiberius begleitete, begrüßten ihn Provinzbewohner, Soldaten und das Volk von Rom mit großer Freude und geradezu zärtlicher Zuneigung. Der Sohn des beliebten und früh verstorbenen Germanicus war ein Hoffnungsträger nach den düsteren letzten Jahren. Sie riefen ihn "Stern", oder "Bübchen". Bildnisse zeigen einen hübschen, aufgeweckten jungen Mann, Kindheitsbildnisse geradezu einen Engel, doch manche Porträts lassen schon erkennen, dass er es faustdick hinter den Ohren hatte. Es sollte nicht lange dauern, und Bübchen würde dem Volk einen einzigen Hals wünschen, um es zu erwürgen.

Samstag, 13. Februar 2021

Lucius Annaeus Seneca: Herkunft und Leben bis zur Verbannung

Lucius Annaeus Seneca wurde um die Zeitenwende in Cordoba, damals Corduba, geboren. Jene Stadt war schon vor der Römerzeit eine bedeutende Siedlung gewesen und wurde Zentrum und Statthaltersitz der römischen Provinz Baetica, die ungefähr dem heutigen Andalusien entspricht. Der Vater war Ritter und sorgte dafür, dass der Sohn schon als kleines Kind in Rom aufwuchs, um dort eines Tages Karriere zu machen.

Samstag, 29. Mai 2021

Despoten - oder auch Opfer?

"Und daher schenke keinem von ihnen deine Zuneigung und schone auch niemand! Denn sie hassen dich alle und beten um deinen Tod; und wenn sie dazu imstande sind, werden sie dich ermorden. Mach dir also keine Gedanken, welche deiner Maßnahmen ihnen passen, und kümmere dich auch nicht darum, wenn sie etwas schwatzen, behalte vielmehr nur dein eigenes Vergnügen und deine eigene Sicherheit im Auge, denn darauf hast du den gerechtesten Anspruch! Wirst du doch auf solche Weise kein Leid erfahren und dich all der angenehmsten Dinge erfreuen. Und außerdem wirst du noch von ihnen geehrt werden, mögen sie dich wollen oder nicht. Schlägst du hingegen den anderen Pfad ein, so wird dir dies in der Tat keinen Nutzen bringen; denn magst du auch zum Schein eitlen Ruhm einheimsen, ein Vorteil wird dir daraus nicht erwachsen, im Gegenteil, als Opfer von Anschlägen wirst du ein schmähliches Ende finden. Denn kein Mensch lässt sich gern regieren; er macht vielmehr nur, solange er in Angst lebt, dem Stärkeren den Hof, fasst er hingegen Mut, dann rächt er sich am Schwächeren." (Cassius Dio, 59, 16. 5-7).

Samstag, 19. Juni 2021

Claudius und Messalina

Als Claudius im Januar 41 römischer Kaiser wurde, war er schon fünfzig Jahre alt. Er, der keine Ämter im Staatsdienst bekleidet hatte, gelangte unerwartet an die Spitze des Imperiums. Mit ihm erweiterte sich das „Repertoire“ der Caesaren: Ein begnadeter Schauspieler, ein schwermütiger Einsiedler, ein Größenwahnsinniger und nun einer, der als schwachsinnig galt – kein Wunder, dass es Bedenken gegenüber Claudius gab. Aber die Garde hatte entschieden, und vielleicht hatten die Mörder Caligulas schon an Claudius als Nachfolger gedacht.

Samstag, 1. Mai 2021

Die Familie des Germanicus in der Julisch-Claudischen Dynastie

Es ist nicht ganz einfach, in dieser Dynastie den Überblick zu behalten, zumal viele Namen mehrfach auftraten und die Betreffenden der Ordnung halber mit Zahlen (I, II, III) versehen werden. Am besten zieht man eine grafische Übersicht hinzu, zum Beispiel in „Die Kaiserinnen Roms“ von Hildegard Temporini.

Samstag, 5. Juni 2021

Caligulas Nemi-Schiffe

In meiner Kindheit empfand ich die Prunkgondel des sächsischen Kurfürsten Friedrich August III., die im Schlosspark Pillnitz zu besichtigen ist, als etwas ganz Besonderes, und konnte mir nicht richtig vorstellen, dass dieses Schiffchen wirklich benutzt wurde (es wurde). Jene Gondel hätte im Vergleich zu den Nemi-Schiffen Caligulas gerade mal zum Beiboot getaugt. Caligula war vier Jahre lang Herrscher eines Weltreiches und in seiner Gigantomanie übertraf er alle anderen Kaiser des Prinzipats. Sueton erwähnt seine Baumaßnahmen, die nicht aufwändig genug sein konnten: er ließ Dämme im tiefen Meer errichten, Lavagestein abtragen, Berge einebnen. Und wer mit einer Schiffsbrücke den Golf von Baiae überspannen ließ, nur um über das Meer reiten zu können, der bestieg bei einer Seereise keine gewöhnliche Liburne, sondern er ließ Schiffe bauen „deren Heck mit Edelsteinen besetzt und deren Segel bunt waren, die aber auch auf reichlich bemessenem Raum Bäder, Säulengänge und Speisezimmer … aufwiesen. Auf diesen Schiffen wollte er am hellichten Tag unter Chorgesang und Musik zechend die Küste von Kampanien entlangfahren.“

Samstag, 27. März 2021

Senecas Satire: Apokolokyntosis

Am 13. Oktober des Jahres 54, ungefähr ein Jahr nach Trajans Geburt, starb Kaiser Claudius. Vielleicht zur Zeit der Saturnalien, des karnevalsähnlichen Festes der Römer zum Jahreswechsel, veröffentlichte Seneca einen satirischen Text, Apokolokyntosis genannt. Den römischen Kaisern wurde nach ihrem Tod die Apotheosis, die Vergöttlichung, zuteil - mit Ausnahme derer, die geächtet waren. Claudius waren alle Ehren zuteil geworden, dafür hat seine Gattin Agrippina gesorgt. Schließlich sollte Neros Vater ein Gott sein! Statt mit einer Apotheosis ließ Seneca den Claudius mit einer Apokolokyntosis, wörtlich Verkürbissung, büßen.

Samstag, 12. Juni 2021

Claudius - Jahre im Hintergrund

Er hieß mit vollständigem Namen Tiberius Claudius Nero Germanicus und wurde am 1. August des Jahres 10 v. Chr. In Lugdunum (Lyon) geboren. Sein Vater war Drusus, der ältere Bruder des Tiberius und Sohn der Livia Drusilla, seine Mutter war Antonia, Tochter des Marcus Antonius und der Octavia, Schwester des Kaisers Augustus. Claudius war der jüngere Bruder des beliebten Germanicus. Während Germanicus geradezu prädestiniert war für öffentliche Auftritte, traf das auf Claudius nicht zu. Er war leicht körperbehindert, ohne dass die Ursache bekannt ist.

Samstag, 10. April 2021

Kaiser Tiberius 14-37 n.Chr.

Am 17. September des Jahres 14 n. Chr. bestätigte der Senat die Alleinherrschaft des Tiberius. Der Mann, der die Herrschaft übernahm, wollte weder große Reden halten, noch Ehrungen entgegennehmen oder sich feiern lassen. Er wollte seine Pflicht tun.

Montag, 4. Dezember 2017

Circusrennen

Sehr beliebt waren die Wagenrennen im Circus. Die größte Arena für diese Veranstaltungen bot der Circus Maximus. Vor Fertigstellung des Kolosseums fanden dort aber auch Gladiatorenkämpfe und Tierhetzen statt.

Die Wagenrennen hatten ursprünglich eine religiöse Bedeutung und fanden wahrscheinlich (an bestimmten den Göttern gewidmeten Feiertagen) schon unter den altrömischen Königen statt. Das Tal zwischen Aventin und Palatin wurde frühzeitig für Rennen genutzt. Die geschlossene Form der Arena entstand unter Cäsar. Immer wieder kam es zu Bränden im Circus und der Zerstörung folgten Wiederaufbauten. Anfangs waren nur die unteren Reihen aus Stein gebaut. Trajan ließ den Circus Maximus komplett aus Stein errichten. Im Jahr 103 wurde dieser Bau vollendet. Um mehr Plätze für die Zuschauer zu schaffen, ließ der Kaiser die Loge Domitians, aus der er vom Palast aus den Rennen zuschauen konnte, abreißen und wieder in die Arena integrieren. Es gab keine strenge Trennung der Sitzreihen nach Rang und Geschlecht; man konnte dort gut Bekanntschaften schließen und flirten. 250.000 Leute sollen im Circus Maximus Platz gefunden haben. Obwohl heute nur noch wenig von den Steinbauten erhalten ist, hat der Circus die Landschaft geformt und die Ausmaße des Bauwerks sind gut zu erkennen, wenn man vom Palatin aus ins Tal schaut.

Das Bauwerk war für seine Zwecke perfekt konstruiert. In der Mitte der Arena befand sich die spina, eine langgezogene Mauer, die von den Gespannen umfahren werden musste. An einer Seite der Arena lagen die mit Türen verschlossenen Startboxen, an der gegenüberliegenden Seite befand sich ein Triumphbogen, durch die der Veranstalter, gefolgt von Klienten, Wettkämpfern, Reitern, Tänzern und Musikanten, ähnlich wie ein Triumphator feierlich in den Circus einfuhr. Jene Prozession mit abschließendem Opfer erfolgte nach alter Tradition. Der Veranstalter, ein hoher Beamter (Prätor, Ädil oder Konsul) bestimmte die Startplätze der Gespanne durch Auslosen und gab schließlich auch das Signal zum Beginn des Rennens, worauf die Türen der Startboxen gleichzeitig durch einen Mechanismus geöffnet wurden. Die Rennen waren dramatisch und gefährlich, und nicht nur Schnelligkeit und Geschicklichkeit waren dabei gefragt, sondern auch Rücksichtslosigkeit. Das Behindern und Abdrängen der Konkurrenten gehörte dazu. Meist fuhren Viergespanne, Quadrigen. Dass Fahrer in Folge von Unfällen schwer verletzt wurden oder starben, war Berufsrisiko. Der siegreiche Fahrer bekam einen silbernen Palmzweig und eine Geldbelohnung. Es gab damals schon Rennfahrerkarrieren. Die erfolgreichen Wagenlenker, aber auch ihre Pferde waren Publikumslieblinge.

Die Rennställe, factiones, waren private Unternehmen, die meist von Rittern geführt wurden. Die Veranstalter der Spiele trugen die Kosten. Immer öfter mussten die Kaiser bei der Finanzierung helfen, da Privatpersonen damit überfordert waren. Man unterschied vier Farben: die dominierenden factiones Blau und Grün und sowie Rot und Weiß, wobei Rot mit Grün und Weiß mit Blau zusammenarbeitete. Plinius der Jüngere hatte kein Interesse an den Circusrennen. In einem Brief an Calvisius Rufus schreibt er über die Parteinahme der Zuschauer: "Wenn sie die Schnelligkeit der Pferde oder die Geschicklichkeit der Wagenlenker begeistern würden, dann läge noch ein Sinn darin. Jetzt aber spenden sie nur einem Stück Tuch Beifall…" (Plinius der Jüngere, Briefe, IX, 6). Mit "Tuch" meint er die Farbe der jeweiligen factio.

Von einigen Kaisern ist bekannt, welche der "Parteien" sie favorisierten: Vitellius und Caracalla waren Anhänger der "Blauen", Caligula, Nero und Domitian bevorzugten die "Grünen". Von Trajan ist keine Vorliebe für eine bestimmte factio überliefert. Aber er wird, wenn er in Rom war, während der Rennen im Circus gewesen sein. Die Bevölkerung erwartete das vom Princeps. Anlässlich solcher Veranstaltungen bekamen die Kaiser Erwartungen, Wünsche und Forderungen der Leute zu hören, aber auch Zustimmung und Beifall. Die meisten von ihnen respektierten die Stimmung im Volk und entzogen sich dieser Kommunikation nicht. Vermutlich genoss Trajan die Vorführungen. Sie waren nicht nur spannend, sondern auch prächtig durch den Glanz des neuen Bauwerkes, die Ausstattung der Wagen, Pferde und Rennfahrer in den Farben ihrer Parteien. Während die Gladiatorenkämpfe unter dem Einfluss des Christentums seltener und Anfang des fünften Jahrhunderts verboten wurden, fanden Wagenrennen in Byzanz noch im Mittelalter statt.

Literatur:

Marcus Junkelmann: Die Reiter Roms Teil I, Verlag Philipp von Zabern, Mainz 1990, ISBN 3-8053-1006-4

Georg Ürögdi: Reise in das Alte Rom, Prisma Verlag Leipzig, 1966

Sonntag, 4. März 2018

Essen und Trinken

Die einfachen Leute in Italien und den Provinzen ernährten sich von Getreide, der oft zu Brei verarbeitet wurde, Speck, Käse und Gemüse. Daran änderte sich auch in der Kaiserzeit wenig, vor allem auf dem Lande. Nach 174 v. Chr. gab es dann die ersten Bäcker in Rom, und Brot wurde zu einem wichtigen Nahrungsmittel.

Die Auswüchse eines verschwenderischen Tafelluxus prägen das Bild, das wir heute vom antiken Rom haben. Man muss aber bedenken, dass es sich dabei um Ausnahmen handelte und nur Angehörige der Oberschicht in solchem Luxus schwelgen konnten, wofür sie schon von Zeitgenossen getadelt wurden. Man denkt sofort an Lucullus, der sich nach Beendigung seiner politischen Karriere ganz dem Schlemmen zuwandte. Er importiere den Kirschbaum aus Kleinasien, der sich bald in Europa verbreitete. Zu jener Zeit begannen die Römer, Luxusgüter wie seltene Früchte, Gewürze und Tiere zum Verzehr aus dem Orient einzuführen.

Der Tagesablauf und die Abfolge der Mahlzeiten waren ähnlich wie heute in vielen Ländern des Mittelmehrraumes. Man stand bei Tagesanbruch auf, und erst gegen neun Uhr gab es ein bescheidenes Frühstück, bestehend aus etwas Brot und Käse. Auch das Mittagessen war vergleichsweise einfach. Es gab meist Reste vom Vortag, die schnell nebenbei gegessen wurden. Gegen siebzehn Uhr begann die Hauptmahlzeit, die sich in vornehmen Häusern über mehrere Stunden hinzog. Zu allen Mahlzeiten wurde vermischter Wein getrunken. Von Hadrian ist überliefert, dass er zum Frühstück keinen Wein trank - offenbar eine erwähnenswerte Ausnahme.

Die einfachen Leute in den Städten hatten meist keine Möglichkeit, zuhause zu kochen. Deshalb aßen sie in Gaststuben oder in einer Bar, wo es ein breites Angebot an Speisen gab: Brot, gegrilltes oder geschmortes Fleisch, Würstchen, Teigtaschen, Oliven, Süßigkeiten. Die alten Römer sollen auch schon Teigböden belegt haben ähnlich der heutigen Pizza, nur fehlten ihnen die Tomaten. Luxusrestaurants gab es in der Antike nicht. Die Gaststuben wurden nur von Angehörigen der unteren Schichten aufgesucht und die Mehrheit der Bevölkerung wurde selten richtig satt.

In der frühen Kaiserzeit bis ins Vierkaiserjahr hinein nahm der Luxus Ausmaße an, über die man nur den Kopf schütteln kann. Manche Römer, speziell Kaiser wie Caligula, Nero und Vitellius, gaben Vermögen für Gastmähler aus. Die Verschwendung wurde zum Ziel satirischer Schriften wie dem "Gastmahl des Trimalchio" von Petronius. Er erzählt auf amüsante Weise von der Protzerei eines reichen Emporkömmlings. Auch Seneca prangert solche Exzesse in seinem Ausspruch an: "vomunt ut edunt, edunt ut vomant" - sie erbrechen, um zu essen, und essen, um zu erbrechen. Manche seiner Zeitgenossen mussten sich zwischendurch erleichtern, um sich durch all die Gänge essen zu können. Als Stoiker lehnte Seneca Völlerei und übermäßigen Luxus ab.

Eine Besonderheit der antiken Tischkultur war die Tatsache, dass man zur Tafel lag: Normalerweise waren drei Speisesofas (Klinen) um einen Tisch gruppiert, dessen eine Seite frei blieb, denn von dort aus wurde bedient. Die Sofas waren zum Tisch hin erhöht und jeweils drei Personen fanden auf einem Sofa Platz. Sie legten sich so, dass sie dem Tisch und den anderen Gästen zugewandt waren. Gegessen wurde mit nur einer Hand - und meist mit den Fingern. Besteck war unüblich; Sklaven zerlegten die Speisen in mundgerechte Stücke und servierten sie ihren Herren. Vornehme Gäste brachten auch eigene Diener mit. Die Antike war sehr gastfreundlich und man war immer auf unerwartete Gäste eingestellt. Außerdem erwarteten die Klienten Zuwendungen in Form von Lebensmitteln oder eine Einladung zu Tisch. In größeren Gesellschaften wurde an mehreren Tafeln gespeist. In Häusern, wo bessere Sitten herrschten, nahmen Frauen auf separaten Sofas Platz oder saßen auf Stühlen.

Unter den Flaviern und den nachfolgenden Kaisern kehrte eine gewisse Mäßigung ein. Immer mehr Provinzialrömer, von der stoischen Philosophie beeinflusst, dominierten die Oberschicht und stellten mit Trajan den ersten Kaiser. Umsicht und Vernunft waren angesagt. Zwar ist von Trajan und Hadrian bekannt, dass sie keine Kostverächter waren, aber sie übertrieben nicht.

Plinius der Jüngere berichtet von der Tafel Trajans: "Sie war bescheiden, wenn man an einen Kaiser denkt." (Plinius, Briefe, VI, 31 (13)). Er wollte sicher nicht den Eindruck erwecken, des Princeps Tafel wäre spartanisch. Er berichtet von Musik, Vorlesern und Gesprächen. Künstlerische Darbietungen und angeregte Diskussionen waren bei Gastmählern üblich. Leider erzählt Plinius nichts über die Speisen. Von einem Essen bei sich zuhause berichtet er in einem anderen Brief (I, 15) an einen Freund, der sich angekündigt hatte und doch nicht gekommen war: "Es gab einen Kopf Salat, für jeden drei Weinbergschnecken, zwei Eier, Graupen mit Honigwein und Eis, Oliven, Gurken, Zwiebeln, Mangoldwurzeln …" und andere Köstlichkeiten, die er nicht mehr präzisiert. Flamingozungen, Straußenhirn, Singvögel und exotische Fische fehlen in dieser Aufzählung. Auch Plinius war von der stoischen Philosophie beeinflusst und sprach sich für Mäßigung aus.

Zum Essen wurde Wein gereicht, oft gekühlt oder mit Wasser vermischt. Der Wein der Antike war schwer und ähnelte heutigen Dessertweinen. Man begann mit den feinsten Sorten und war im Laufe des Abends weniger wählerisch. Dem Gastmahl folgte meist ein Gelage, an dem Frauen und Kinder nicht mehr teilnahmen. Die alten Römer tranken oft und reichlich, auch über ein vernünftiges Maß hinaus. Vielen Persönlichkeiten wurde Trunksucht vorgeworfen: Marcus Antonius, Tiberius und auch Trajan. Ich halte es allerdings für übertrieben, ihn als Alkoholiker zu bezeichnen, wie das manche modernen Autoren tun. Dennoch wird Trajans Mundschenk Phaedimus sein Handwerk verstanden haben und zur Hauptmahlzeit gut beschäftigt gewesen sein.

Literatur:

Theodor Birt: "Aus dem Leben der Antike", Quelle & Meyer, Leipzig 1922

Georg Ürögdü: "Reise in das alte Rom", Prisma-Verlag, Leipzig 1966

Peter Conolly: "Die antike Stadt", Könemann Verlagsgesellschaft, Köln, 1998, ISBN 3-8290-1104-0

Sonntag, 14. Oktober 2018

Die Flavier: Vespasian

"Die Flavier" von Hermann Bengtson ist eine der wenigen umfassenden Darstellungen jener Dynastie und trotz der widersprüchlichen Persönlichkeit des Verfassers empfehlenswert - im Unterschied zu Auszügen aus dem Werk Suetons, die zwar als Quelle ihren Wert haben, aber kritisch betrachtet werden sollten. Bereits im Vorwort schrieb Bengtson: "Traian steht auf den Schultern seiner Vorgänger, in manchen Einzelheiten hat er an die Flavier wieder angeknüpft".

Sonntag, 24. Juni 2018

Der ideale Monarch?

Kaiser Trajan kam dem Herrscherideal im alten Rom sehr nahe. Und ich will gar nicht bestreiten, dass eine Persönlichkeit wie er an der Spitze eines Staates für Stabilität sorgen kann. Dass die Monarchie als Staatsform aber auch enorme Risiken in sich birgt, zeigen jene Fälle, in denen Kaiser ihrem Amt nicht gewachsen waren wie Commodus oder Domitian in seinen letzten Jahren oder der Princeps gar geistesgestört war wie Caligula.

Sonntag, 26. Mai 2019

Von Alexander zu Trajan (2)

Alexander der Große wird heute durchaus kritisch betrachtet. In der Antike war er eine Ausnahme-Persönlichkeit, berühmt, schon zu Lebzeiten ein Held, ein Mythos, geradezu ein Halbgott. Er veränderte die damalige Welt und jeder Feldherr musste in ihm ein Vorbild sehen, denn er war ein genialer und mutiger Stratege, selbst waffenerprobt, stark und tapfer. Damals, als das Recht des Stärkeren herrschte, waren ihm Glanz und Ruhm sicher. Seine Eroberungszüge hatten den Nimbus von Heldentaten.

Samstag, 6. März 2021

Senecas Wirken am Hof in Rom und sein Ende

Im Jahr 48 heiratete Messalina ihren Liebhaber Gaius Silius. Ob sie noch mit Kaiser Claudius verheiratet oder von ihm geschieden war, ist umstritten. Ihr Verhalten wurde als Hochverrat gewertet. Claudius ließ sie und Silius und viele Personen aus ihrem Bekanntenkreis hinrichten. Er soll geschworen haben, nie wieder zu heiraten. Doch sein Schwur hielt nicht lange an. Er ehelichte Agrippina die Jüngere, wohl um seine Position zu stärken. Agrippina hatte sich wahrscheinlich auch aktiv um seine Zuneigung bemüht.

Sonntag, 28. Oktober 2018

Die Flavier: Domitian

Die antiken Quellen, deren Verfasser der Oberschicht angehörten, verurteilen Domitian als einen Tyrannen vom gleichen Schlag wie Caligula und Nero. Aber auch sie gaben zu, dass der dritte flavische Kaiser das Reich sorgfältig verwaltete, gewissenhaft Recht sprach und beim Heer beliebt war. Selten arbeiteten die Beamten so ehrlich und uneigennützig wie unter Domitian. Moderne Historiker betrachten seine Regierung differenziert, sind skeptisch gegenüber den Tyrannen-Klischees, die nachträglich über den Kaiser verbreitet wurden. Aber gerät man unweigerlich ins Psychologisieren, wenn man versucht, seine Persönlichkeit zu erfassen.

Sonntag, 4. Juli 2021

Das römische Imperium unter Claudius

Im Jahr 48 ließ Claudius einen Zensus durchführen, eine Volkszählung, in der römische Bürger erfasst wurden. Das Ergebnis war beachtlich: es gab eine Million Bürger mehr als noch unter Augustus. Der Grund dafür waren Gründungen von Kolonien und Bürgerrechtsverleihungen an Provinziale. Claudius soll auch durchgesetzt haben, dass Hilfstruppensoldaten nach ihrer Entlassung aus dem Dienst das römische Bürgerrecht bekamen.

Sonntag, 27. Juni 2021

Claudius und Agrippina

Das bedeutendste außenpolitische Ereignis während der Regierung des Claudius war die Eroberung Britanniens. Der Kaiser unterstützte seinen Feldherrn Aulus Plautius und kam selbst auf die Insel, hielt sich aber nur 16 Tage dort auf und feierte danach einen Triumph. Es sollten sechs Jahre vergehen, bis die römische Provinz eingerichtet war. Den Siegernamen Britannicus nahm Claudius nicht an, sondern ließ ihn seinem Sohn übertragen, der noch ein Kind war.