Freitag, 22. Mai 2026

Kaiser Trajan in Bildern – und welche Haarfarbe hatte er?

Obwohl Kaiser Trajan selbst äußerte, Genehmigungen zum Aufstellen seiner Bildnisse sparsam zu erteilen, gibt es viele Porträts von ihm: Statuen, Büsten, Münzbilder, Reliefs, die ihn zeigen, so das Reliefband seiner Siegessäule in Rom.

In allen Städten befanden sich Bildnisse von ihm, oft überlebensgroß: auf öffentlichen Plätzen, auf Monumenten, und zwar nicht nur in Rom, sondern im gesamten römischen Reich. Die Porträts des Kaisers zierten die Münzen und die Feldzeichen der Soldaten.

Es war schlicht unmöglich, dass der Kaiser all den Künstlern Modell saß, die ihn porträtierten. Er sorgte dafür, dass Modelle für künftige Bildnisse in die Werkstätten überall im Imperium geschickt wurden. So konnte er darauf Einfluss nehmen, wie er gesehen werden wollte. Die persönliche Interpretation des Künstlers, die Mode und der Zeitgeist flossen ebenfalls ein.

Kaiser Augustus sieht auf allen Porträts unverändert jung aus, und die Bildnisse seiner Enkel, die seine Nachfolger werden sollten, sehen beinahe identisch aus. Bei den Porträts der folgenden Kaiser war der Grad der Idealisierung unterschiedlich.

Die ersten Porträts Kaiser Trajans wirken recht einfach: Sie zeigen einen energischen Mann mit ernstem und konzentriertem Gesichtsausdruck. Typisch für Trajan sind die niedrige Stirn, die schlichte Kurzhaarfrisur und die ausgeprägten Falten um die Mundwinkel. Im Verlaufe seiner Regierung wurde die Frisur etwas strukturierter und feiner dargestellt. Heute werden verschiedene Bildnistypen von ihm unterschieden, wonach die Porträts auch zeitlich eingeordnet werden können.

Bei manchen seiner Bildnisse sind die persönlichen Merkmale schwächer ausgeprägt, was die Idealisierung erhöht, und in solchen Fällen kann es auch zu Verwechslungen kommen. Ich habe in einem Museum eine Kopie einer relativ bekannten Trajan-Büste gesehen, die dort Tiberius zugewiesen wurde. Immerhin haben beide Kaiser die gleiche Frisur…

Die Frage, wie antike Persönlichkeiten aussahen, ist nach wie vor spannend. Heute kann KI Erstaunliches vollbringen und Marmorporträts zum Leben erwecken. Ich bin auch begeistert von solchen Bildern und Videos, nicht nur von Personen, sondern auch von Städten und Gebäuden. Wenn ich vor antiken Ruinen stehe, lässt mich meine Phantasie oft im Stich, und ich freue mich über jeden Rekonstruktionsversuch.

Ich lasse mich gern von Bildern inspirieren, doch es ist wichtig, diese auch in Frage zu stellen. Die Rekonstruktionen von antiken Bildnissen zeigen uns nicht, wie es war, sondern wie es gewesen sein könnte. Und in manchen Fällen auch, wie es eher nicht war.

Es drängt mich, diesen Text zu schreiben, seit ich sah, wie Trajan in einem KI-generierten Bild mit blonden Haaren dargestellt wird. Andere moderne Rekonstruktionen zeigen ihn mit brünettem oder schwarzem Haar. Die Augenfarbe Trajans ist leider nicht überliefert, aber bezüglich seiner Haarfarbe gibt es einen Hinweis in einer literarischen Quelle, dem Panegyrikus Plinius des Jüngeren. Der Panegyrikus ist eine überlieferte Rede, die Plinius als Konsul vor dem Senat zu Ehren des Kaisers hielt, und zwar am 1. September des Jahres 100. Trajan war seit etwas mehr als zwei Jahren Alleinherrscher. In dieser Lobrede verrät Plinius Einiges über seine äußere Erscheinung: „Iam firmitas iam proceritas corporis, iam honor capitis et dignitas oris, ad hoc aetatis indeflexa maturitas, nec sine quodam munere deum festinatis senectutis insignibus ad augendam maiestatem ornata caesaries, nonne longe lateque principem ostentant?“ (Panegyricus, 4,7) – „Dazu sein kraftvoller, hoher Wuchs, sein edles Haupt und würdevolles Antlitz, dazu die ungeminderte Vollkraft der Jahre und sein Haar, das – nicht ohne Zutun der Götter – , um den majestätischen Eindruck zu erhöhen, schon jetzt im bezeichnenden Schmuck des Alters prangt! Zeigt sich darin nicht, für alle sichtbar, der echte Princeps?“ (Übersetzung von Werner Kühn)

Viele Autoren haben dieses Zitat aus dem Panegyrikus richtig interpretiert: Trajan war kurz vor seinem 47. Geburtstag schon grau- oder sogar weißhaarig. Auch in einem Historienfilm aus dem Jahr 1968 wurde das richtig umgesetzt. Der Originaltitel des Filmes heißt „Columna“, bezogen auf die Trajanssäule, deren Relief die Kriege gegen die Daker darstellt. Ab 0:28 ist Kaiser Trajan zu sehen. Er ist im Film, über den ich hier auch schon geschrieben habe, so dargestellt, wie er auch in den literarischen Quellen auf uns wirkt: überhaupt nicht pompös und dennoch beeindruckend. Man sieht und spürt, dass seine besondere Wirkung auch mit seinem frühzeitig ergrauten Haar zu tun hat. Über den Titel „Der Tyrann“ breitet man besser den Mantel des Schweigens.

Literatur:

Annette Nünnerich-Asmus. "Traian. Ein Kaiser der Superlative am Beginn einer Umbruchzeit?", darin: "Ein Kaiser in vielen Rollen", Verlag Philipp von Zabern, Mainz 2002, ISBN 3-8053-2780-3

Walter Hatto Gross: „Bildnisse Traians“, Verlag Gebr. Mann, Berlin, 1940

Plinius der Jüngere: Panegyrikus, Herausgegeben und übersetzt von Werner Kühn, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt, 1985, ISBN: 3-534-09220-1

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