Blog zum Roman " Im Banne des Besten" mit Informationen über die Blütezeit des Römischen Imperiums
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Freitag, 18. September 2026
Kapitel 1: Fakten und Fiktion
Hier geht es zu Kapitel 1.
Marcus Ulpius Traianus, der Vater des späteren Kaisers, stieg entweder unter Kaiser Claudius oder in den ersten Regierungsjahren des Kaisers Nero in den Senat auf. Die Familie stammte aus Italica (heute Santiponce bei Sevilla) in der Provinz Baetica, die etwa dem heutigen Andalusien entspricht. In diesen unruhigen Zeiten – der Prozess setzte schon unter Caligula ein – stiegen immer mehr Männer aus neuen Familien und dem Provinzadel, besonders aus Spanien und Gallien, an die Spitze des Imperiums auf. Ehrgeiz und Zielstrebigkeit zeichnete die „neuen Männer“ aus, die noch frei von der sprichwörtlichen römischen Dekadenz waren.
Sonntag, 5. Mai 2019
Prätorianerpräfekten Kaiser Trajans
Der Prätorianerpräfekt zählte zum engsten Führungskreis des römischen Reiches. Normalerweise amtierten zwei Präfekten, die im Regelfall Ritter waren. Ausnahme war der spätere Kaiser Titus, der als Senator praefectus praetorio seines Vaters Vespasian wurde. Dies war Ausdruck enger Verbundenheit des Kaisers mit seinem älteren Sohn und diente der Stärkung der flavischen Dynastie, die aus einem Bürgerkrieg heraus die Herrschaft übernommen hatte. Auch wuchs Titus an der Seite des Kaisers schon in seine künftige Aufgabe hinein.
Sonntag, 12. August 2018
Trajanus pater und Marcia: die Eltern Kaiser Trajans
Marcus Ulpius Trajanus, der Vater des späteren Kaisers und im Unterschied zu diesem Traianus pater genannt, wurde etwa 30 n. Chr. geboren. Entweder unter Claudius oder unter Nero wurde er in den Senat aufgenommen. Man kann das ungefähre Alter eines Senators aus seinen Ämtern erschließen.
Sonntag, 1. April 2018
Publius Acilius Attianus
Im Sommer des Jahres 117 verließ Kaiser Trajan Antiochia, seine Residenz während des Partherkrieges. Begleitet wurde er von seiner Gattin Plotina, seiner Nichte Matidia und Acilius Attianus, einem der beiden Prätorianerpräfekten. Das gesamte, an der Partherfront stationierte Heer hatte der Imperator an Hadrian übergeben.
Denkbar ist, dass Trajan Hadrian mit der siegreichen Beendigung des Krieges beauftragte. Er erwartete, dass sein Ziehsohn sein Werk vollendete, so wie einst Titus den Jüdischen Krieg, während Vespasian nach Rom zurückkehrte.
Aber es kam anders: Trajan sollte Rom nicht mehr erreichen. Anfang August 117 starb er in Selinus in Kilikien (bei Gazipasa in der heutigen Türkei). Bei seinem Tod war neben den beiden Augustae der Gardepräfekt Acilius Attianus zugegen. Wir wissen sehr wenig über diesen Mann. Er war ein Landsmann von Trajan und Hadrian, stammte wahrscheinlich aus Italica in der Provinz Baetica (im heutigen Andalusien) und war Ritter. Italica ist nur wenige Kilometer von Hispalis, dem heutigen Sevilla, entfernt. Einige Historiker meinen, dass Hispalis eher ein Ort war, in dem Handwerker und Fischer lebten, während in Italica die vornehmeren Leute wohnten. Aber erst Hadrian erhob Italica in den Rang einer Colonia, und die Gebäude aus jener Zeit, unter anderem das Amphitheater, können heute besichtigt werden, während Überreste des älteren Ortsteils unter dem heutigen Santiponce verborgen sind. Wer eine Karriere anstrebte, musste die Provinz verlassen und in Rom Ämter übernehmen.
Vor allem Trajan strebte eine politische und militärische Karriere an. Als Prätor übernahm er die Vormundschaft über den damals zehnjährigen Hadrian, dessen Vater verstorben war - zusammen mit Acilius (nicht Caelius) Attianus. Letzterer hat sich vielleicht in den Zeiten um den jungen Mann gekümmert, als Trajan wegen seiner militärischen Kommandos abwesend war. Aber auch Hadrians Schwester Domitia Paulina war Mündel der beiden Männer. Sie hieß ebenso wie ihre und Hadrians Mutter, die aus Gades, dem heutigen Cadíz, stammte. Paulina wurde mit Trajans Freund Servianus verheiratet.
War es Zufall, dass Attianus während der Zeit, als die Nachfolge drängte, Gardepräfekt war und sich in der Nähe des noch amtierenden Kaisers aufhielt? Es wird allgemein vermutet, dass er daran beteiligt war, Hadrian die Nachfolge zu sichern. Denn was um den Tod Trajans herum geschah, weiß niemand genau. Cassius Dio, der im dritten Jahrhundert lebte, behauptete, Hadrian sei von Trajan nicht adoptiert worden. Daraus könnte man den Schluss ziehen, dass Attianus und die beiden kaiserlichen Damen die Adoption nur vorgetäuscht haben. Das Schreiben an den Senat, das von der Adoption Hadrians berichtete, sei von Plotina unterzeichnet worden, obwohl sie so etwas nie zuvor getan hatte.
Tatsächlich weiß niemand, ob Trajan die Adoption Hadrians noch selbst vollziehen konnte, ob er Plotina und Attianus damit beauftragte, alles Nötige zu veranlassen, oder ob er gar einen anderen Nachfolger wünschte. Es war vielleicht die größte Schwäche Trajans, in diesem Punkt nicht rechtzeitig für Klarheit gesorgt zu haben.
Attianus, Plotina und Matidia überführten die Urne mit den Überresten des verstorbenen Herrschers nach Rom. Die Hadrian-Biografie der Historia Augusta berichtet, dass der neue Kaiser seinen Widersacher Lusius Quietus entmachten ließ. Wenig später kam es zur Hinrichtung der vier Konsulare Cornelius Palma, Publilius Celsus, Avidius Nigrinus und Lusius Quietus. Jene Männer standen im Verdacht, eine Verschwörung gegen den Kaiser geplant zu haben, und Attianus ließ sie beseitigen. Nach der Historia Augusta soll Attianus auch dazu geraten haben, die Verschwörer Crassus Frugi und Laberius Maximus zu töten, die unter Trajan verbannt worden waren, was jedoch unterblieb. Die Todesurteile gegen Senatoren hingen Hadrian lebenslang an und kosteten ihn beinahe die Vergöttlichung und sein Ansehen als guter Herrscher.
Es ist möglich, dass Attianus etwas radikal darin war, seinem ehemaligen Mündel die Macht zu ebnen und zu sichern. Als Gardepräfekt erfüllte er seine Pflicht, beiden Herrschern zu dienen und sie zu schützen. Darüber hinaus sind keine Details über ihn bekannt. In meinem Roman wirkt er vermutlich etwas unsympathisch. Dass er vor seinem Amt als Prätorianerpräfekt Tribun der Gardereiter war, habe ich erfunden. Eine solche Abfolge in der Hierarchie war üblich, aber es gab auch andere Karriereschritte. Seine Vorliebe für Frauen ganz unterschiedlichen Typs ist ein Versuch von mir, eine menschlich-liebenswürdige Seite an ihm zu zeigen, die jedoch ebenfalls erfunden ist.
Marcus Ulpius Phaedimus, der Mundschenk Trajans, starb kurz nach dem Ableben seines Herrn, was die Gerüchte um die vorgetäuschte Adoption zusätzlich anheizte. War da ein Zeuge beseitigt worden? Wir werden es nicht erfahren. Trajan und Phaedimus starben, Attianus wurde nach der Hinrichtung der vier Konsulare kaltgestellt.
Literatur:
Historia Augusta: "Hadrianus", Artemis Verlag Zürich, 1976, ISBN 3 7608 3568 6
Cassius Dio, Epitome of Book 68
Sonntag, 8. Oktober 2017
Trajan in Germanien (2)
Colonia Claudia Ara Agrippinensis (Köln)
Wie ich in meinem ersten Beitrag hier schrieb, bin ich in der DDR aufgewachsen. Reisen zu römischen Ruinen kamen für mich eher nicht in Frage. Ich dachte nicht einmal im Traum daran, irgendwann Rom zu sehen - oder gar Italica. Aber die Reisemöglichkeiten zwischen Ost und West lockerten sich bereits vor der Wende. Zweimal durfte ich meine Großmutter in Baden-Württemberg besuchen. Dort sah ich im Limesmuseum Aalen zum ersten Mal echte römische Hinterlassenschaften. Das Museum war faszinierend. Obwohl ich es mir vorgenommen hatte, noch einmal hinzufahren, ist bisher leider nichts daraus geworden.
Während meines zweiten Aufenthaltes in der Bundesrepublik ermöglichte mir meine Großmutter eine Reise nach Köln. Colonia Claudia Ara Agrippinensis war das Zentrum der Provinz Germania inferior. Im Unterschied zu Mogontiacum (Mainz) war es bereits zur Römerzeit eine Stadt mit repräsentativen Bauten, unter anderem einem Prätorium, Verwaltungsgebäude und Amtssitz des Statthalters. Das Prätorium zog mich magisch an. Dort weilte Trajan, als er Mitregent Nervas wurde, und dort hielt er sich auf, als die Kunde vom Tod Nervas eintraf. Colonia Claudia Ara Agrippinensis, kurz CCAA, war nicht irgendeine Station im Leben Trajans, sondern eine besondere: dort begann seine Herrschaft über das römische Imperium.
Die Reise in den Westen, es muss um 1988 gewesen sein, war an sich schon ein Ereignis für mich. Dazu kam die Fahrt mit einem Intercity von Süden nach Norden. Ich hatte keine Ahnung, was mich als DDR-Bürgerin aus dem "Tal der Ahnungslosen" in Köln erwartete. Der Lärm, die Geschäftigkeit und die Menschenmassen im Stadtzentrum überwältigten mich. Zum ersten Mal sah ich Bettler. Das Elend inmitten einer Großstadt schockierte mich. Ich habe es dort nicht lange ausgehalten und war abends völlig überreizt von den Eindrücken. Zum Glück wohnte ich bei meiner Großtante in Mönchengladbach, deren Andenken ich ebenso in Ehren halte wie das meiner Oma.
Die Suche nach dem Prätorium führte mich ins Rathaus. Natürlich hatte ich Rudolf Pörtners "Mit dem Fahrstuhl in die Römerzeit" gelesen und daher meine Vorstellungen, wie man in den ehemaligen Statthalterpalast gelangt - nämlich direkt mit einen Fahrstuhl im Rathaus. Als mir ein Security-Mann entgegen kam, erschrak ich ein bisschen, nahm mich aber zusammen und fragte nach dem Prätorium. Zu meiner Verwunderung wusste der Uniformierte, was ich meinte, und beschrieb mir den Weg zum Museum. Es war ganz in der Nähe, aber ohne die Beschreibung hätte ich den eher unscheinbaren Eingang in der Kleinen Budengasse wohl nicht gefunden.
Das Museum fand ich etwas schaurig, zumal ich die einzige Besucherin war und an der Kasse zwei seltsame Typen saßen. Dennoch ließ ich mir Zeit, ging langsam zwischen den gewaltigen Mauerresten entlang und dachte an die weit entfernte Vergangenheit. Die meisten Überreste stammen aus der Spätantike, aber auch Mauern aus der Zeit, die mich speziell interessiert, sind erhalten.
Anschließend sah ich mir das Römisch-Germanische Museum sowie andere sichtbare Zeugnisse aus der Römerzeit an. Ich weiß noch genau, wie ich am Römerbrunnen stand, der aber nicht zur Römerzeit erbaut wurde, sondern 1915. Natürlich verspürte ich den Wunsch, wieder einmal nach Köln zu reisen, aber ich machte mir keine allzu großen Hoffnungen, dass es noch mal klappen könnte. Sicherheitshalber warf ich eine Münze in den Brunnen, sowas soll ja helfen.
Trajan kannte die CCAA möglicherweise schon von einem früheren Aufenthalt in Germanien, den Plinius im Panegyrikus andeutet. Vielleicht besuchte er auch Vetera am Niederrhein. Zumindest war ihm die Bedeutung des Ortes bekannt, denn er gründete dort eine Stadt, die seinen Namen trug: Colonia Ulpia Trajana beim heutigen Xanten. Der dortige archäologische Park ist unbedingt einen Besuch wert.
Ich bin noch einige Male in Köln gewesen. Das Prätorium-Museum ist heute besser beleuchtet und insgesamt einladender als damals Ende der Achtziger. Der Zufall wollte es, dass wir kürzlich auf der Rückreise von Wien nach Dresden einen Aufenthalt in Köln hatten, der für einen kurzen Bummel und Besuch des Prätoriums reichte. Wer sich für römische Geschichte interessiert, sollte es gesehen haben.
Von Niedergermanien aus zog der Kaiser am Limes entlang Richtung Donaugrenze. Er widmete sich den Provinzen und dem Heer, ehe er im Herbst 99 nach Rom kam.
Literatur:
Rudolf Pörtner: Mit dem Fahrstuhl in die Römerzeit, Econ-Verlag Düsseldorf 1961
Helmut Signon: Die Römer in Köln, Societäts-Verlag Frankfurt, 1970, ISBN 3 7973 0196
Montag, 1. Mai 2017
Gades - Cádiz
Das antike Gades, welches zu den ältesten Städten Europas zählt, heißt heute Cádiz - in Andalusien ist der gelispelte Laut am Ende des Wortes kaum zu hören. Als wir die Reise planten, witzelten wir manchmal über den Namen, denn wir dachten dabei an den Dresdner Stadtteil Kaditz, der bei uns quasi um die Ecke liegt. Cádiz allerdings liegt nicht um die Ecke, sondern ist 2.800 Kilometer von unserem Zuhause entfernt.
Gades soll um 1.100 v. Chr. gegründet worden sein. Die mythologisch gefärbte Überlieferung berichtet von Orakeln, ungünstigen Opfern und mehrfachen Gründungsversuchen. Gades lag sich jenseits der "Säulen des Hercules", dem Ausgang des Mittelmeeres, und Hercules wurde sowohl in Gades, wo sich ein berühmtes Heiligtum befand, als auch in anderen Orten der Baetica verehrt. Bereits die Phönizier erfuhren, dass die Meerenge von Gibraltar keineswegs das Ende der Welt war, welches Hercules markiert haben soll. Jenes "plus ultra" (von non plus ultra - "nicht darüber hinaus") mit den Säulen des Hercules fiel mir erstmalig auf Kacheln im Alcázar von Sevilla auf. Es gehört zum Wappen Spaniens.
Kaiser Trajan ließ Münzen mit dem Abbild des Hercules prägen: Verehrung, die auf den Hercules-Kult in seiner südspanischen Heimat zurückging, aber auch Identifikation und Propaganda spielten dabei eine Rolle. Götterbilder zierten die Rückseiten der Münzen; Götter und Heroen stahlen dem Kaiser, dessen Porträt auf der Vorderseite prangte, nie die Show.
Niemand weiß, ob Trajan jemals in Gades war. Von einer Reise des Kaisers in die Heimatprovinz ist nichts bekannt. Während seiner Herrschaft hatte er vermutlich weder einen Grund noch Zeit dazu. Dennoch - man kann diese Möglichkeit nicht ganz ausschließen, zumal die Überlieferung zu Trajan spärlich und lückenhaft ist. Am ehesten kann er seinen Vater in die Provinz begleitet haben, als dieser sein Amt als Prokonsul antrat - siehe dazu unten in den Beiträgen über Córduba und Italica. Für mich stellt sich die Frage, auf welchem Weg man von Rom aus in die Baetica reiste. Eine Seereise war vergleichsweise schnell und komfortabel, konnte sich aber bei ungünstigen Witterungsverhältnissen in die Länge ziehen. Es wäre möglich gewesen, einen der Mittelmeerhäfen Hispaniens anzulaufen und auf dem Landweg weiter zu reisen. Eine solch kombinierte Reise, die sich den Erfordernissen anpasste, erwähnt Plinius in einem Brief an den Kaiser (Plin. Briefe, 10, 17a). Aber auch eine Reise mit dem Schiff bis Gades ist denkbar, möglicherweise zur Mündung des Baetis (Guadalquivir) und von dort aus mit einem kleineren Schiff bis Hispalis (Sevilla).
Das antike Gades erstreckte sich über drei Inseln, die heute miteinander verbunden sind. Lang gezogen, schmal und vom Meer umgeben ist auch das heutige Cádiz. Allein schon diese Lage reizte mich, die Stadt zu besichtigen. Wir reisten von Sevilla aus mit dem Zug an. Auch diese Fahrt nach Südwesten interessierte mich. Irgendwann, nach mehreren Stationen, war dunkelblau das Meer zu sehen, davor der Strand, nur durch eine Straße von der Bahnlinie getrennt. Wir waren am Atlantik angekommen. Noch ehe wir ins Hotel gingen, nahmen wir an einer Stadtrundfahrt teil.
Als wir später zu Fuß unterwegs waren, gingen wir auf der Promenade am westlichsten Punkt der Halbinsel entlang, sahen immer wieder aufs Meer hinaus und betraten die Festung San Sebastian mit einigen Ausstellungräumen. Hier hatte Gades seinen Ursprung. Wir gingen zum Strand Playa de la Caleta, und weil es so warm war, zog ich Schuhe und Strümpfe aus und lief mit hochgekrempelten Hosenbeinen im flachen Wasser herum. Hätte ich nicht doch den Badeanzug mitnehmen sollen? Es gefiel uns sehr an diesem Stadtstrand, wo die Einheimischen am Nachmittag kamen, um die Sonne zu genießen und den kommenden Abend zu feiern. In dieser Bucht befand sich der älteste Hafen der Insel. Die Stadt konnte sich auf Grund ihrer Lage kaum ausbreiten, Platz zum Bauen war immer rar. Deswegen gibt es kaum antike Überreste, vom römischen Theater einmal abgesehen, von dem relativ viel erhalten und freigelegt ist.
Gades war Hafenstadt und ein bedeutender Umschlagplatz. Die Gaditaner lebten vom Handel, von der Seefahrt, vom Fischfang und waren viel unterwegs. Vom Reichtum des Meeres konnten wir uns selbst in der Markthallte überzeugen... vor 2.000 Jahren, als der Fischfang noch nicht industrialisiert war, muss das Meer ein Paradies für Pflanzen und Tiere gewesen sein.
Mehrere Gottheiten wurden in Gades verehrt und die Einwohner der Stadt galten als fromm. Zwei berühmte Söhne der Stadt waren Lucius Cornelius Balbus der Ältere und sein gleichnamiger Neffe, Balbus der Jüngere, Zeitgenossen und Freunde von Cäsar, Pompejus und Octavian.
Der Leuchturm von Cádiz, über eine Mole erreichbar, lockte uns besonders, und kurz vor der abendlichen Schließung des Areals konnten wir von dort aus aufs Meer hinaus blicken. Der Golf von Cádiz ist nicht so weit von der portugiesischen Algarve entfernt - gemessen an der Entfernung zwischen Südspanien und Ostdeutschland. Ich bekam doch ein wenig Sehnsucht nach jener Küste, die zu Recht als eine der schönsten Europas gilt. Aber auch die Strände bei Cádiz sind feinsandig und sehr zu empfehlen. Am beliebtesten Strand, dem Playa de la Victoria, haben wir in einem sehr schönen Fischrestaurant mit allerdings stolzen Preisen zu Mittag gegessen.
Am Morgen unserer Abreise konnten wir das römische Theater und das dazu gehörende Museum mit vielen Modellen besichtigen. Computeranimation versetzte uns in die Römerzeit. Auch die Ruine selbst kann man betreten; die Stufen sind dort, wo man gehen kann, durch Holzaufbauten geschützt. Die in unmittelbarer Nachbarschaft befindliche Kathedrale ist ebenfalls einen Besuch wert. Vom Turm aus hat man schöne Ausblicke über die Stadt und aufs Meer.
Als wir zum Bahnhof gingen, regnete es kräftig und wir kamen völlig durchnässt am Bahnsteig an. Dennoch werden mir der blaue Himmel, das türkisfarbene Meer, das golden schimmernde Dach der Kathedrale, die Uferpromenade mit dem botanischen Garten und die belebten Gassen der Altstadt in Erinnerung bleiben. Und meine Erinnerungen verbinde ich mit Hercules, den Gaditanern und der Baetica.
Montag, 24. April 2017
Corduba - Córdoba
Am 26.02.2017 las ich in einer Vitrine im Saalburgmuseum, dass Olivenöl meist aus der Baetica, einer Provinz im antiken Hispanien, importiert wurde und dass es zwischen Sevilla und Córdoba riesige Olivenbaumplantagen gab. Am Tag zuvor, dem 25. Februar, waren wir von Sevilla nach Frankfurt geflogen. Knapp drei Stunden benötigten wir für diese Strecke. In der Antike hätte es mehrere Wochen gedauert, um von da nach dort zu kommen. Aber es war ein Reich, das von Rom aus regiert wurde. Olivenbaumplantagen gibt es heute noch in Andalusien. Wir haben sie gesehen.
Der Name der Provinz Baetica im Süden des antiken Hispaniens ist vom Fluss Baetis abgeleitet, dem heutigen Guadalquivir. Der Baetis war die Lebensader jener schönen und reichen Provinz. Die Hauptstadt der Baetica war Córdoba, damals Corduba, um 150 v. Chr. als römische Stadt gegründet. Gesiedelt wurde an dieser Stelle jedoch schon viel früher, um die zweitausend Jahre v. Chr.
Als Senatsprovinz wurde die Baetica, anders als die kaiserlichen Provinzen, die unter der Aufsicht der Kaiser bzw. der Statthalter standen, von Prokonsuln verwaltet. Im Zeitraum 65/66, unter der Herrschaft des Kaisers Nero, war der Prokonsul der südspanischen Provinz Marcus Ulpius Trajanus, der Vater des späteren Kaisers. Im Jahre 64 war es zum großen Brand von Rom gekommen, 66 sollte Nero zu seiner über einjährigen "Künstler-"Reise nach Griechenland aufbrechen. Zu diesem Zeitpunkt müssen sich schon viele einflussreiche Senatoren von ihm abgewendet haben, zumal das Leben unter seiner Herrschaft gefährlich geworden war. Im Jahre 65 waren Seneca und sein Neffe Lucanus - beide stammten aus Corduba -, in den Tod getrieben worden. Gut möglich, dass Trajanus erleichtert über die Entsendung in die Heimatprovinz war. Es ist nicht überliefert, ob ihn sein Sohn (53 geboren, also damals ein Teenager) in die Baetica begleitet hat. Es ist aber durchaus möglich, bot doch eine solche Reise die Möglichkeit, die Heimat der Familie, die Besitztümer kennen zu lernen und durch den Vater erste Einblicke in die Verwaltung zu erhalten. Somit ist es denkbar, dass Trajan als Zwölfjähriger auch in Corduba war.
Die antike Stadt befand sich unter der heutigen historischen Altstadt. Unser Aufenthalt war zeitlich knapp bemessen, außerdem kamen wir an einem Montag an. Wir haben nur wenige Ruinen aus der Römerzeit gesehen und auch das archäologische Museum konnten wir nicht besichtigen. Leider muss man Prioritäten setzen und mir kam es eher darauf an, die Stadt zu sehen und zu spüren. Ich wollte sie auch am Abend erleben und über Nacht bleiben. Und natürlich interessierte mich die Landschaft zwischen Sevilla und Cordoba, die wir mit dem Bus durchquerten. Beherrschend sind die schon erwähnten Olivenbaumplantagen. Córdoba liegt im Norden Andalusiens. Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreist, erreicht die Stadt entweder mit den Fernbussen, welche relativ häufig fahren, oder mit dem Zug. Man sieht sie von weitem vor der Sierra Morena liegen; hell heben sich Häuser und Türme von der Landschaft ab. Mein Hauptinteresse in diesem Urlaub galt Sevilla und Santiponce/Italica, aber Córdoba gefiel mir sehr.
Wir wohnten in einer Pension im Jüdischen Viertel mit kleinen Geschäften und Restaurants, wo man schön bummeln kann. Viele Sehenswürdigkeiten konnten wir zu Fuß erreichen, aber da wir nur wenige Stunden zur Verfügung hatten, waren wir oft mit Stadtrundfahrt-Bussen unterwegs. Wir sahen uns das römische Mausoleum an, genauer gesagt, den Teil, der ausgegraben worden ist, und blieben auch am römischen Tempel nahe der Kathedrale stehen. Bereits bei unserer Ankunft konnten wir einen Blick auf römische Ruinen im Busbahnhof werfen. Auch in der Nähe des Hauptbahnhofs waren Ausgrabungen zu sehen. Natürlich waren wir nicht nur an römischen Hinterlassenschaften interessiert. Der Alcázar ist montags geschlossen … wir müssen an einem anderen Wochentag wieder kommen! Aber wir besichtigten die Mezquita-Kathedrale, das Wahrzeichen von Córdoba. Man sieht der Kathedrale an, dass sie einst eine Moschee war, und zum Bau wurden auch antike Säulen verwendet. Im Innern der Mezquita fühlt man sich dem quirligen Treiben in den Gassen der Stadt entrückt und kommt zur Ruhe. Dazu trägt wohl das gedämpfte Licht bei, aber auch die Architektur, die Vielgliedrigkeit des Gebäudes: die Kathedrale wirkt weitläufig und komplex. Als während unseres Aufenthaltes dort die Orgel erklang, setzten wir uns, hörten zu und konnten unser Glück kaum fassen. Ein wunderschönes Stück wurde gespielt, lieblich und harmonisch, bis dann donnernd und brausend das Finale ertönte. Die Orgel ist wahrhaftig die Königin der Instrumente! Ich liebe Orgelmusik und jene, die wir in der Mezquita, einer der schönsten Kirchen der Welt, hörten, wird mir immer in Erinnerung bleiben.
Die römische Brücke in Córdoba befindet sich noch an der Stelle der Brücke aus der Römerzeit. Sie war lange die einzige Brücke über den Guadalquivir, wurde aber mehrfach umgebaut. Heute ist sie nur noch Fußgängerbrücke und besonders am Abend ein schöner Ort für einen Spaziergang. In der Antike soll der Baetis bis Corduba schiffbar gewesen sein. Allerdings fuhren die größeren Kähne nur bis Hispalis (Sevilla) und weiter ging es mit kleineren Schiffen. Heute fahren Schiffe nur noch bis Sevilla. Bei Córdoba ist der Fluss voller Inseln, die Rückzugsorte für Vögel sind. Auf einer der Inseln steht die Ruine einer alten Mühle.
Berühmt ist Córdoba für die schön gestalteten, grünen Innenhöfe, in denen sich oft Springbrunnen befinden. Diese Tradition geht auf die Römerzeit, aber auch auf maurischen Einfluss zurück. Córdoba hat mich bezaubert und ich würde gern einmal dorthin zurückkehren - dann aber unbedingt mit viel mehr Zeit.
Literatur:
Sabine Panzram: Stadtbild und Elite: Tarraco, Corduba und Augusta Emerita zwischen Republik und Spätantike, Franz Steiner Verlag Stuttgart, 2002, ISBN 3-515-08039-2
Montag, 10. April 2017
Italica: Ruinen einer römischen Stadt in Andalusien
19.02.2017: Ein Tag, den ich nie vergessen werde. Wir, mein Mann Christian, der zunehmend in mein Projekt involviert ist, und ich fuhren mit dem Linienbus von Sevilla zum ca. 11 Kilometer entfernten Santiponce, stiegen im Ortszentrum aus und machten uns auf die Suche nach den Ruinen von Italica, einer Stadt in der römischen Provinz Baetica.
Bald sahen wir das umzäunte Gelände und einen Weg, der zwischen Zäunen hangaufwärts führte: laut Handy-Navigation direkt zum Traianeum. Wenn das nicht gut klingt, dachten wir. Als wir schließlich vor einem Friedhof standen, ahnten wir, dass wir den falschen Weg genommen hatten. Wir konnten Italica schon gut sehen und auch Besucher, die dort umher liefen, aber an jener Stelle war kein Durchkommen. Ein Angestellter des Parks oder auch des Friedhofes, der offenbar schon auf verirrte Touristen wartete, wies uns den Weg zurück nach Santiponce.
Wir mussten die Straße hinunter, dann weiter am Zaun gehen, an einer Hauptstraße entlang, bis wir schließlich vorm Eingang des archäologischen Parks standen. Wenige Meter vom Eingang entfernt gibt es eine Bushaltestelle. Wer den Linienbus nimmt, sollte nicht mitten in Santiponce aussteigen, sondern noch ein Stück weiter fahren. Manchmal, wenn auch seltener als die Linienbusse verkehrt ein Santiponce-Expressbus. Am besten steigt man am Busbahnhof in Sevilla ein, Plaza de Armas.
Das antike Italica liegt noch zum großen Teil unter Santiponce verborgen. Der Park mit den ausgegrabenen Gebäuden befindet sich am Rande des Ortes. Außerhalb des Parks kann man das römische Theater besichtigen, was wir jedoch nicht getan haben.
Die Familien der Kaiser Trajan und Hadrian stammten aus Italica, doch halten es die Forscher für unwahrscheinlich, dass Trajan - wie überliefert ist - in Italica geboren wurde, da sein Vater zu jener Zeit seiner Karriere wegen in Rom sein musste. Dennoch: ausschließen kann man es nicht, dass der Sohn tatsächlich in der Provinz geboren wurde. Hadrian erhob Italica auf Bitten der Stadt in den Rang einer Colonia.
Das römische Imperium war ein Vielvölkerstaat, und somit waren Trajan und Hadrian keine Spanier, sondern Römer. Ursprünglich stammten die Ulpii aus Umbrien und einer der Vorfahren des Kaisers gehörte wohl zu jenen verwundeten Soldaten, die Scipio Africanus nach dem 2. Punischen Krieg auf der Iberischen Halbinsel ansiedelte.
Am Eingang des archäologischen Parks zeigt man den Ausweis vor - EU-Bürger zahlen nichts. Als wir endlich hinein gingen, war ich freudig berührt. Viele Jahre hindurch hätte ich von einer Reise dorthin nie zu träumen gewagt. Und weitere Jahre lang habe ich nicht davon geträumt, weil ich mein Projekt aus den Augen verloren hatte. Als ich Anfang 2016 den Wunsch verspürte, Italica zu sehen, beließ ich es nicht lange beim Träumen, sondern begann, die Reise zu planen.
Gleich in der Nähe des Eingangstores steht ein Denkmal mit einem modernen Porträt Kaiser Trajans, das im Jahr 1953, 1900 Jahre nach seiner Geburt, aufgestellt wurde. Es gefiel mir sehr gut, erinnert es doch an eines der schönsten und ausdrucksvollsten antiken Bildnisse des Kaisers, den Kolossalkopf von Ostia. Im Besucherzentrum des Parks kann man per Computeranimation sehen, wie Italica in seiner Blütezeit aussah. Rekonstruktionen sind für mich immer hilfreich, denn ohne sie stehe ich den Ruinen meist ziemlich phantasie- und verständnislos gegenüber.
Das Amphitheater betrachtet man am besten von einem Weg aus, der oberhalb der Ruine und um sie herum verläuft. Der Park ist hier sehr hübsch, Bäume und Sträucher spenden Schatten; wir entdeckten erste Blüten von Wildkirschen. Anschließend kann man ins Amphitheater hinein gehen und wer einmal im Kolosseum in Rom war, fühlt sich in Italica daran erinnert. Obwohl das Bauwerk in der Provinz nicht die Dimensionen des flavischen Amphitheaters erreicht, ist es beeindruckend.
Anschließend wendet man sich links hügelaufwärts und erreicht die Ruinen der Wohnhäuser wohlhabender Bürger mit den wunderschönen Mosaikfußböden, die Thermen und, am Ende der Anlage, in unmittelbarer Nähe des Friedhofs von Santiponce, das Traianeum, ein Tempel, der nach Trajans Tod errichtet wurde. Die römischen Kaiser jener Zeit wurden nach ihrem Tod zu Staatsgöttern erhoben. Das mutet heutzutage etwas seltsam an. Der Kaiserkult war aber in jenem Vielvölkerstaat verbindend und identitätsstiftend und eine wichtige Voraussetzung für seinen Bestand. Eine Kolossalstatue, die als Bildnis Trajans gilt -vom Gesicht ist nicht viel erhalten geblieben -, ragt hinter den Ruinen der Wohnhäuser auf.
Die Mosaikfußböden sind wohl die schönsten Überreste von Italica. Viele Funde kann man im archäologischen Museum von Sevilla besichtigen, dessen Besuch sehr empfehlenswert ist. Es befindet sich im Maria-Luisa-Park, einer grünen Oase innerhalb der Stadt.
Von Italica aus kann man Sevilla sehen, aber umgekehrt ist es schwieriger - man kann lediglich ahnen, wo Santiponce/Italica liegt, wenn man in Sevilla ist.
Der Boden, auf dem Italica erbaut wurde, ist sehr lehmhaltig. Der Lehm rutscht vom Hang auf den Fußweg neben der Straße, die zum archäologischen Park führt. Ein wenig von dem Lehm klebt noch an meinen Schuhen, und ich zögere, ihn zu entfernen. Wenn ich einen Ort wie diesen betrete, geht es mir in erster Linie darum, ein Gespür dafür zu bekommen. Ich weiß nun, dass sich Italica auf einer Anhöhe erstreckte, wo es heute mitunter windig ist. Man ahnt, dass es sich dort gut leben ließ. Ehrgeizige Männer jedoch blieben nicht in der Provinz, sondern gingen nach Rom, um Ämter zu bekleiden, Senatoren zu werden - und sogar Kaiser.
Literaturtipp:
Annette Nünnerich-Asmus (Hrsg:): Traian, Verlag Philipp von Zabern, Mainz 2002, ISBN 3-8053-2780-3
darin: Werner Eck: Traian - Der Weg zum Kaisertum